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1817–1871

Canzone VIII .

Karl Candidus

Gefühl des Sollens und ein dunkles Sehnen, Obzwar ein immerwährend unerfülltes, Empfänglichkeit und wechselvolles Spüren Nach dem Unendlichen, das ein Verhülltes,

Wer mag das Endliche damit belehnen Im Sündenirrsal, wenn nicht heil'ges Führen? So stralt, den sie mag küren, Der unfindbare Freund der Frauenseele

Als Urbild, wie in Endlichkeit herscheinet Ein Gott, bis ihm vereinet, Nun kennend öftrer herber Täuschung Fehle, Sie volle Gnüge hat und süßes Feiern

In heilig stillen Lebens holden Schleiern. Und wie ein Jüngling wirbt um zartes Danken, So das Unendliche. Wie auf der Stirne Der Liebe ruht ihr Traumbild unabtrennbar,

Ob steigen, ob sich neigen die Gestirne, Ist ewiglich der göttliche Gedanken Im Sorgen nur um's Endliche erkennbar. Und stets durch solch unnennbar

Allstetes Ineinanderscheinen schwanden Die Beiden ineinander, und mit Klarheit Ist so, als ihre Wahrheit, In irdischem Bewußtsein auch erstanden

Urew'ger Liebeseinheit Bild und Wesen, Der Sohn, der „ Judäas Berge schweigen jede Kunde Vom Anfang des Bewußtseins höchster Würde,

Als dankend auf zum Vater mochte beten Der Sohn und frei erkor die Mittlerbürde. O höchster Himmelsoffenbarung Stunde! O feierlichste Stunde des Planeten!

Ha! Lebensschauer wehten Aus den Unendlichkeiten her der Himmel, Aus den Unendlichkeiten her der Seele, Und dessen was er wähle

Bewußt, groß stand, fernab vom Weltgewimmel, Der erste freie Mensch. Es singt's mit Zaudern Die Muse, ja! und denkt's mit süßem Schaudern Nun lag die Wahrheit offen jenes Bundes

Von Jehovah und dem erwählten Volke. Nun war erfüllt Gesetz und Prophezeiung. Das Sollen war erreicht. Die Feuerwolke Schmolz und der Sohn stand da. Vor seines Mundes

Anlächeln schwieg die Klage der Entzweiung. Fortan war's um Kasteiung Und Opferdienst und Satzungen geschehen. Des Sohnes sich zu freu'n schien süße Pflicht nur.

Ihn sah im Ahnungslicht nur Die Väterwelt. Ihr Traumbild muß vergehen Vor übertreffender Erfüllungsfülle. Den Kern entlassend fällt die Tempelhülle.

O wie mit salomonischem Gerölle, O wie mit Zebaoth und Zehngeboten Mögt ihr nun stets die Kirche noch verplundern? Das Alles ging ja längst schon zu den Toten,

Auch längst schon sind die Cherubim zur Hölle, Und eure Zionswacht muß ich bewundern. Ja wahrlich! nassen Zundern Vergleich' ich dies Geschlecht. Nur schwer mag fangen

Ein Himmelsfunken, und das schönste Feuer Erlischt bald. Neustets theuer Ist Toten nur was tot und was vergangen. Tot sind die leben. Möchte Leben sprühen

Aus heil'ger Aschenkrüge ew'gem Glühen! Des Judenchristenthumes Petrusheucheln Und Petrusschwachheit, ach! umstrickt uns Alle Mehr oder minder bis zum Selbstbetrügen.

O rette deine Kirche vom Verfalle, Denn deine Diener sind es, die sie meucheln, O Herr, durch wahngewiegtes Selbstbelügen! Auf alle Paulusrügen,

Wenn je ich sie verdiene, laß mich achten Und kühn wie Paulus jeden Flor zerreißen Wohinter falsches Gleißen Verläugnet deines Geistes neue Machten.

So laß mich dienen dir in allen Treuen, Der du einherfährst Alles zu erneuen.

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