Die Länder auf und ab zu Tod und Leben Gesellt das Bild sich des geliebten Mannes, Der durch sein Lieben Höchstes offenbarte, Ein Retter uns, ein Tilger jedes Bannes.
Es ragt das Kreuz wo Menschentritte schweben Bedeutungsvoll als ewige Standarte. Ach, wo sich ja die zarte Lichtblüte höhern Lebens mag entfalten,
Allstets muß ringen sie mit wilden Wettern Und traurig sich entblättern, Soll gold'ne Frucht die Folgezeit erhalten. Nur sterbend wirst du jedes Ziel erreichen,
Drum ist das Kreuz der Weltgeschichte Zeichen. Frei ist der Geist, doch ist bestimmt sein Wirken, Ist — also will er's — strengem Maß verfallen‚ Und weil er Liebe sein will, himmelsglutig
Erwählend demutvolles Erdenwallen, Muß er in ihm entfremdeten Bezirken Gesammte Schuld der Erde sühnen blutig. So nahmen auf sich mutig
Ihr Kreuz der Menschheit Helden und Befreier, Die mit dem Griffel, die mit frommen Thaten, Die mit dem Pflug und Spaten, Die mit des Schwertes Wucht, die mit der Leier,
Denn alle sind des Mittlers, wie sie kamen, Die, ihn verklärend, von dem Seinen nahmen. Und sein sind, durch sein Lieben, alle Schmerzen Der Welt, von Blute Abels des Gerechten
Bis zu der Weltgeschichte letzten Plagen‚ Daß eine Dornenkrone mochte flechten Der Heilige daraus in seinem Herzen, Weit blutiger als die sein Haubt getragen.
Er klagte unsre Klagen Und weinte unsre Thränen eh' wir waren‚ Damit hinfort wir Erhebend so zur reinen
Natur des Mitgefühls den rohen, baaren, Unfrommen Schmerz, wo seiner Liebe Walten Alsbald uns trösten mag und neugestalten. So geht ein Mann gebeugt von schwerem Kummer
Ob seiner Kinder frevlem Thun. Ihn peinigt, Ihn, der da rein ist, foltert das Gewissen Der Schuldigen mehr als sie selbst. Es steinigt Ihn auf der Straße und ihn flieht der Schlummer
Der Nacht. Krank, arm durch ihre Schuld, beflissen Nur ihren Finsternissen Ein Licht zu sein, ach! schleppt er noch sein Leben. Jetzt mit dem greisen Vater fühlt Erbarmen
Sein jüngstes Kind. Umarmen Darf er das weinend und zu sich erheben. Da stralt sein Blick: „laßt mich von hinnen fliehen! Es wird mein Tod sie alle zu mir ziehen!“
O wunderbar Geheimniß du der Liebe, Und dennoch allen kündlich die da lieben, Wie die Gemeinschaft, welche sie begründet, So Schuld wie Unschuld theilt, des Sünders Trieben
Des Reinen Reinheit eignet, und im Siebe Der Schuld den Edeln umwirft, daß verbündet Sich Beider Herz entzündet Zu neuen doppelt süßen Himmelsflammen!
Anbetungswürdiges Gesetz der Liebe Das alle Todeshiebe Ausheilet und das Weltall hält zusammen! Zwar frommer Wehmut magst du Ursach werden,
Doch die hat niemand noch gereut auf Erden. Mit dem gekreuzigten Erlöser büßen, Sein Leiden ihm nachfühlend, die Erlösten, Durch Mitleid selbst mit ihm gekreuzigt sterben
Der bösen Lust sie, das nur kann sie trösten, Hat doch die Sünde, ach! zu Aller Füßen Den besten Freund verschlungen in's Verderben, Weil um den Tod zu werben,
In dem die Welt liegt, Mitleid ihn getrieben. So stirbt und lebt der Heiligen Gemeine In läuterndem Vereine Mit dem der sie vermittelt durch sein Lieben.
So ist Nicht kann es für der Deutung falsche Bahnen. Doch euch will noch was längst der Geist geehret Ein Aergerniß und eine Thorheit däuchten.
Die Kreuze wollt ihr „aus der Erde reißen!“ Euch blendet des Jahrhunderts Wetterleuchten Daß ihr nicht seht wie es die Kreuze mehret, Die ihr zu tragen selber seid geheißen.
Hinauf tragt bis zu weißen Berghäubtern euer Kreuz, ja bis zur Wolke, Bis euch das Herz bricht! O nur solche Sühne Kann von der Alp zur Düne
Erlösung endlich bringen allem Volke! Der Edeln Arbeit, nicht die Lust der Bösen, Kann uns im Himmel und auf Erden lösen. So sei mir denn gegrüßt, zum Trutz Verächtern,
O Zeichen das uns Opferweihe lehret, Bis einst aus Männerernst und Frauenthränen Des Volkes Seele reingewaschen kehret Und Heil erblüht den künftigen Geschlechtern!
Du Menschheitswappen, wie auch alles Wähnen Und mißverstand'ne Sehnen Der Sterblichen dich mag entgeistet haben, Sei mir gegrüßt, wo ich dich immer schaue,
Gegrüßt, wie ich vertraue, O Kreuz, all deinen süßen Himmelslaben! Wie bist du streng und dunkelst ernste Schauer! Wie bist du mild und lichtest jede Trauer!
Wie tief das Leid war, also hoch wird Lust sein, Und wie die Klage war, wird sein Frohlocken Wenn Gottes Reich mit festlichem Gesumme Dereinst verkünden aller Lande Glocken.
Still sagt dann Jedem seliges Bewußtsein Daß heilumflutet letztes Weh verstumme. Denn gleich ist ja die Summe Die Gott uns wog der Schmerzen und der Wonnen
Und enden muß die sühnende Geschichte In höchster Hulden Lichte Wie sie mit tiefem Falle hat begonnen. Laß mich, o Kreuz! in deines Kelches Schrecken
Der Heilvollendung Maß und Umfang schmecken. Und bricht zuletzt der Erde Bau zusammen Weil schlaff der Bogen, weil der Pfeil am Ziele, Und schmiegt der Erdgeist andrer Ströme Wogen
Sich an, zu spielen ew'gen Lebens Spiele, Nur rettungsthätig neustets wird entflammen Sich ew'ge Liebe, neustets angezogen Wird heil'gen Streites Bogen,
Bei immer neuem Ziel wirft unverwendlich Aus Schmerzensnacht das Nach glanzumstraltem Heile, Und Kranz um Kranz erblutet es unendlich.
Sprich's aus und wenn dich Schauer überliefen: Ich sah das Kreuz in allen Himmelstiefen.
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