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1817–1871

Canzone IV .

Karl Candidus

Schmückt mir das Saitenspiel mit roten Rosen: Heut will ich froh dem eignen Herzen leben, Heut will dem Genius bekränzt ich warten, Sind doch vom Herrn mir Sinn und Herz gegeben.

Heut will ich harmlos wie ein Kindlein kosen Mit allen bunten Blümelein im Garten. O sende mir den zarten Gespielen, du Unendlicher, den Sohn her,

Der uns O sende mit den weißen Maiwolken ihn von deinem Stralenthron her! Ihn sende her aus meines Herzens Tiefen

Wo dieser Sabbathfeier Wonnen schliefen! Was wären Augen wo nicht Stralen flögen? Was wäre Licht wenn es kein Auge gäbe? Was wären Töne da wo keine Hörer?

Was wären Hörer ohne Klangesschwebe? So Geistbegriff auch sonder Sinnvermögen Und Weltbild sonder Geist sind Selbstzerstörer. Wie liebliche Verschwörer

Sind höchster Einheit Zeugen alle Dinge, Und Jedes ist so Darstellung des Ganzen Daß auch in Stäubleins Tanzen Uroffenbarung schwingt die Feuerschwinge.

Hat der von Nazareth uns erst erkoren, Ist er uns plötzlich überall geboren. Mag Stumpfsinn dich im Kripplein nur erblicken, Und Blindheit dich erkennen, ach! selbst dort nicht,

Stillsteht der Weisen Stern mir allenthalben Wo trennbar von Allgegenwart der Ort nicht. Du Glanz der Gottheit willst mein Herz erquicken Und mir mit Freudenöl die Augen salben,

Sei's daß die holden Schwalben Nun kommen oder flieh'n, daß Winterstürme Herschneien oder Sommerfriede lächle, Ein warmer Wind herfächle

Und südwärts schau'n die Hähne deiner Thürme. Doch seliger wird deine Näh' empfunden Im Schweben solcher goldnen Blütestunden. Wer ruft mir? Ist's die Stimme nicht der süßen

Gespielin meines Freundes? nicht die Stimme Der Nachtigall? An seinem Busen hegt er Die Kleine, wenn ein Sturm hersaust im Grimme Und toll ihm Ast und Laubschmuck wirft zu Füßen;

Doch wenn sein Frühlingsmond hold steigt, da trägt er Die Flatternde, bewegt er Sie auf dem Zeigefinger oder setzt sie In dunkelstes Gebüsch, in traute Wipfel,

Und zu der Flüstergipfel Chorliede schlagend jedes Ohr ergetzt sie. Er lebt und webt in ihr und mag sich freuen Des Vögleins wie der Hoheit seiner Leuen.

Mir neige deine Zweige, Lila-Flieder! Er ist der Thau womit du mich besprengest, Er ist dein Würzeduft und deine Schöne Womit du dich in alle Herzen drängest.

Er kommt in dir holdselig anders wieder Und streut umher was aller Not entwöhne. Beim frohen Lenzgetöne Entblühest du der Wesenortnung Tiefen,

Trittst vor uns hin mit eigenem Gebaren, Ein süßes Offenbaren Der Huld davon dir alle Dolden triefen. Wie du so dastehst an der alten Mauer,

Erfassen mich geheime, süße Schauer. Dort flammen Tulpen aus der schwarzen Erde, Doch sieh! die wahre Wurzel ihrer Prachten Ruht im Zusammenhang der Weltortnungen,

Und Himmelshauche sind's die sie entfachten. Des allgemeinen schöpferischen Werde Sind sie ein Ausdruck in besondern Zungen, Aus Gottes Mund entsprungen

Und darum also schön und wunderprächtig. O Wort, das uns in Jesu ist erschienen, Du bist's, du brennst in ihnen! An heil'ger Stätte steh' ich tiefandächtig

Gleich jenem Frommen, dem du glutentzündet Erschienst im Dornbusch, wie die Vorwelt kündet. Ihr kleinen weißen Erdbeerblüten wecket Erinnern das wie Himmelblau erheitert.

Hat nicht dem Bernardin de St. Pierre Ein Erdbeerstock zum Weltall sich erweitert Und jenes Ueberschwängliche entdecket, Das Mittelpunkt ist jeder Wesensphäre?

Ist schwerer Herzensleere Dies arme Kraut zum Mittler nicht geworden? Anbetung dir, Sohn Gottes, eingeborner, In Allem unverlorner!

Du strömst einher in alles Lebens Borden! Wo Schönes unsern Blicken sich entfaltet, Ist's das Unendliche das endlich waltet. Ist nicht die ganze Sichtbarkeit der Himmel

Selbst nur ein Erdbeerstock im großen Ganzen, Ein einzler Theil im All wie wir es denken, Des göttlichen Gedichts nur ein paar Stanzen, Ein

Dies Weltbild will die Welt aufschließend schenken Und sich vor uns versenken In's Uebersinnliche, wie es die Welt ist, Denn ihr ist keine Vorstellung gewachsen

Und ihren Riesenaxen Gibt Raum nur der Begriff der Gottes Zelt ist. So tönet im Erhabnen wie in allen Gebilden uns des ew'gen Sohnes Lallen.

Ihr aber, allverbreitete Bestände Jedwelcher Bildung, reine Wesenheiten, Die ihr in Paargestalten hochher steiget Um euern Liebesstreit nie auszustreiten,

Euch flieht und hascht und wieder flieht behende Und euch im Fliehen zur Umarmung neiget, So ernst im Spiel euch zeiget Als wär' es gottesdienstliche Verrichtung,

So spielend frei im Ernst als wär's ein Scherz nur, Mit unbegriffnem Schmerz nur Schaut Mancher euer Werk und sieht Vernichtung. Doch ihr schwebt lächelnd und dem Frommen leise

Vertrauet ihr daß dies des Wortes Weise. Nur wo Natur in frommem Geist sich spiegelt, Als einem zu vermittelnden Gemüte, Tritt auf der Mittler, daß er sich ihm eine,

Und Die, aus beschränkter Anschauung entsiegelt. Im holden Duftkelch beut das Allgemeine. Doch ist das große Eine

In der Natur dem Frommen allzugänglich, Weil es in Allem, was da endlich heißet, Uns mächtiglich ergleißet Als eben so beschränkt wie überschwänglich,

Ein kleines Kind, ein großer Gott desgleichen, Der Weihrauch, Gold und Myrrhen Grün-golden ruht ein Käfer mir zu Füßen Wie Spielzeug liegt in einer Kinderstube.

Rings blinken tausend zarte Lieblichkeiten Und jeder Stein scheint eine Demantgrube. Es ist so deine Art, mit wundersüßen Geschenken, Jesuskind, Lust zu bereiten.

So kommt ans blauen Weiten In jenem sinnig webenden Gedichte Ein himmlisch hoher Gast zu armen Hirten, Sobald die Lerchen schwirrten,

Mit fremder Welten Offenbarungslichte, Doch sieh: all deine holde Wunderhabe Die bist du selbst, du lichter Himmelsknabe!

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