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1817–1871

Canzone III .

Karl Candidus

Wie uns ihr eignes Licht die Sichtbarkeiten Auf wunderbarer Kunst Jodsilber malet, So malt dein Bild auf schlichter Seelen Grunde Die Klarheit, welche dir, o Herr, entstralet

Und lieblich fällt in Schmerzes Dunkelheiten, Wenn du den Schieber hebst zur rechten Stunde. O stets mit Herz und Munde Will ich dem heilig hehren Künstler danken,

Der mir durch seiner Weltanschauung Normen Und Grundempfindungsformen Hat umgebildet gänzlich die Gedanken! Die christliche Bestimmtheit der Gemüter

Ist Kraft als Dein Geist ist deine Weise Gott zu haben, Ist deine Demut und dein Selbstbewußtsein, Denn weil du

Doch gleichermaßen mußt' in deiner Brust sein Ein Selbstgefühl unnennbar, hehr, erhaben, Wenn du mich nun, Entblößer Von allen Mosisdecken, mir bewährest

Als tief von deiner Herrlichkeit durchdrungen, Und wie durch Spiegelungen Mich in ein dir verwandtes Bild verklärest, Ja mich zur Brudergleichheit willst erwählen,

Muß Demut nicht und Stolz Du wolltest niemals „nur Gott ist gut,“ so sprachst du groß bescheiden, Doch warst du Eins mit Gott, weil nur als nichtig

Du dich von Gotte konntest unterscheiden, Und ob du als ein Mensch zwar an Geberden Und mannichfacher Schwachheit warst ersichtig, Warst du doch nimmer pflichtig

Noch unterworfen dem Gesetz der Sünden, Denn über die persönlich enge Schranke Hinaus war dein Gedanke, Gott mochtest du als wahres Selbst verkünden.

Zu gleicher Reinheit drängst du nun die Geister. So wardst du dienend unser Aller Meister. Und Quelle deiner Demut war dein Lieben, So auch dein Lieben Quelle deiner Hoheit.

Sind dies denn nicht der Liebe beide Pole? O wie beklagenswert ist jene Rohheit, Die an des Stolzes und der Demut Trieben Nur Streit hat, leere Strebungen, gleich hohle!

O wenn zu Eurem Wole Ihr liebtet und begriffet! Elend scheinen Müßt ihr mir vollends wo ihr vor mögt wenden Das

Angeblich schuft ihr Gott und seinen Reinen, Und könnt das eigne Werk nicht menschlich lieben? O wo sind Stolz und Demut euch Du bist in mich und ich in dich gestaltet

Und nichts kann mich, mein Heiland! von dir scheiden, Kann ich doch von mir selbst nicht sein geschieden! In meinen Freuden wie in meinen Leiden Hast göttlich groß du immerdar gewaltet,

Und nur in dir gewurzelt ist mein Frieden. Daß unser Bund hienieden, Ach, nicht so innig ist wie er wol sein soll, Dies regt mir oft geheimer Wehmut Thränen,

Doch dieses heiße Sehnen, Es kommt von dir, als das mir Ernst verleih'n soll, Und jener Blick der bitterlich macht weinen, Läßt lauter Huld und Liebe ja erscheinen.

Gefühl der Selbigkeit im Unterschiede, Gefühl des Unterschiedes in der Einheit, Ist heißer Durst und frischer Trunk der Liebe, Ist ihrer Demut, ihres Stolzes Reinheit,

Ist ew'ger Schmerz für sie und ew'ger Friede, Ist Pendelschwung und Schwerkraft frommer Triebe, Ich, wo ich immer bliebe. Starb schon und du, o Herr, bist meine Wahrheit,

Mein wahres Ich, dieweil mich ließ ererben Dein demutvolles Sterben, Das zahllos ist, die Fülle deiner Klarheit. Ich lebe, doch nicht ich, es lebt die Liebe

In mir, drum schrecken mich nicht Todeshiebe. Sie schrecken zwar, doch nur das Fleisch. So nannte Der Beter von Gethsemane den Anhalt Des Unterschiedgefühls der heil'gen Minne.

Beklag' ich mich? Sieh, du hast wolgethan halt Der Demut Born mir, als ich dich erkannte, Nicht flammend zu verzehren. Sacht verrinne Den Brüdern zum Gewinne

Die heil'ge Flut, mir selber zum Ergetzen. Aus Fleischesschwachheit quillt ja neustets Demut, Und Hochgefühl aus Wehmut Und so erscheinet als ein göttlich Setzen

Der Liebesortnung was mir schien ein Schade. Was liegt so tief daß drunter nicht die Gnade? In meiner Schwachheit gnügt mir deine Gnade. Laß mich in deinen Anblick ganz versinken!

Mir selbst entfliehen ganz in deinen Armen! Vollkommenheit aus deinen Zügen trinken! O laß in deiner Reinheit Wonnenbade Zu neuverjüngtem Leben mich erwarmen!

Was böte Trost mir armen Befleckten Seele wenn nicht dein Gedulden? Ach! kann ich mich denn anders wiederfinden Als wenn bis zum Erblinden

Ich mich verliere ganz in deinen Hulden? Nur so, nicht anders, kann ich mich erringen Und eigne Bildung dir entgegenbringen. Stets ist aus Nichts das Sein hervorgegangen.

So will ich neustets mich in dir vernichten, Neustets verfälschter Selbigkeit neu sterben, Auf falsches eignes Sein und Thun verzichten, Daß ich von dir das wahre mag empfangen,

So oft an mir das Weltjoch geht in Scherben. In Demut will ich werben, In stets erneuter Demut um das Größte, Damit das Größte stets sich mir erneue,

Und ewig mich erfreue Dein Lieben, das mich von mir selbst erlöste Um neugebildet mich mir selbst zu geben. Machst du mich klein, ist göttlich groß mein Leben.

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