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1806

Elfter Gesang.

George Gordon Lord Byron

Der Bischof Berkley hat uns vorgetragen, „Daß die Materie überhaupt nicht sei,“ Und sein System ist baumfest, wie sie sagen, Zu fein für die subtilste Grübelei.

Und doch, wer glaubt's? Ich würde gern zerschlagen, Was man Materie nennt, selbst Stein und Blei, Wenn diese Welt als Geist nur existirte In meinem Kopf und ich den Kopf negirte.

Welch ein erhabner Fortschritt, daß ihr wißt Die Welt ist Egoismus, ideal, Ist ganz wir selbst! Und was die Welt auch ist, Ich wette Welten, der Satz ist normal.

O Zweifel! wenn du wirklich Zweifel bist, Du einz'ges Prisma für der Wahrheit Strahl, Gönn' mir mein Schlückchen Geist, des Himmels edeln Brantwein, der nur zu stark ist unsern Schädeln.

Denn ab und an lähmt Indigestion (Kein „schmucker Ariel“) unser Aufwärtsschweben Mit Fragen andrer Art. Mich wurmt's wie Hohn, Daß uns die Götter keinen Platz gegeben,

Von wo man ruhig, ohne Confusion Betrachten könnte Sterne, Menschen, Leben, Kurz, dieses Rätsel selbst für den Besitzer, Die Welt, – die nichts ist als ein prächt'ger Schnitzer,

Wenn's Zufall ist. Und wenn der alte Text Stehn bleiben soll, – – Doch still! ich will nichts sagen. Man kann nicht wissen, was daraus erwächst; Die Leute können Kühnheit nicht vertragen.

Mit Recht. Was nützt es, daß du Zank erweckst Um ungelöste, nie entschiedne Fragen? Zumal wir alles einst zu sehen kriegen, Ganz deutlich, – oder mindstens stille liegen.

Drum weg mit allem, was da metaphysisch ist, Mit allem Streit, durch den man nichts erreicht! „Was ist, das ist,“ sei meine Theorie, sie schießt Doch nicht ins Blau', und man versteht sie leicht.

Die Sach' ist, daß mein Zustand etwas phthisisch ist, Ich weiß die Ursach nicht, – die Luft vielleicht; Genug, dies Kränkeln macht mir viel Beschwerde, Die Folg' ist, daß ich orthodoxer werde.

Ein Stoß bewies mir Gottes Göttlichkeit, (Doch daran glaubt' ich schon, wie auch an Satan;) Der zweite Stoß der Jungfrau Heiligkeit; Beim dritten nahm ich Adam's Sündenthat an;

Beim vierten kam auch die Dreieinigkeit, – Mein Glaube wuchs zu einem solchen Grad an, Daß ich nur wünscht', es wären vier statt drei, Weil dann noch etwas mehr zu glauben sei.

Zur Sache. Sahst du je von der Akropolis Auf Attika hernieder? fuhrst du je Zur malerischen Stadt Constantinopolis? Sahst du Timbuktu? oder trankst du Thee

In Chinas porzellanener Metropolis? Sahst du den Ziegelschutt von Niniveh? Dann drückt dich Londons Anblick Anfangs nieder, Jedoch nach einem Jahr sprech' ich dich wieder.

Auf Shooters-Hill stieg unser Spanier aus; Die Zeit war Abend, und die Stelle schaute Hinab in jenes Thal voll Lust und Graus, Wo Londons Leben mächtig gohr und braute.

Rings war es still, nur ferne scholl Gebraus Von Wagen und verworrne dunkle Laute, Das Bienensummen, Brodeln, Brausen, Pochen Von Städten, die mit Abschaum überkochen.

Juan, versenkt in Meditation, Schritt langsam hinter seinen Wagen her, Voll Ehrfurcht vor der großen Nation. Ganz überwältigt, hielt er sich nicht mehr:

„Hier,“ rief er, „hat die Freiheit ihren Thron! Hier schallt des Volkes Wort! Kein Schergenheer, Nicht Hermandad noch Folter drückt es nieder; Mit jeder neuen Wahl ersteht es wieder.“

„Hier sind die Frauen keusch und rein das Leben. Hier zahlt das Volk nicht mehr als ihm gefällt, Und wenn's hier theurer ist, so zeigt das eben, Sie können großthun, denn sie haben Geld.

Hier herscht das Recht; kein Wandrer braucht zu beben, Weil hier kein Räuber Wandrern Fallen stellt. Hier“ – kam ein Messerblitz ihm in die Queer Mit einem „Gott verdamm! die Börse her!“

Dies Wort der Freiheit kam von vier versteckten Buschkleppern, welche die Gelegenheit, Als sie ihn einsam auf dem Weg' entdeckten, Benutzten mit gewohnter Hurtigkeit;

Wodurch Naturfreund' auf zu weit erstreckten Ausflügen, falls sie nicht sehr kampfbereit, In diesem reichen Eiland oft reskiren Das Leben sammt den Hosen zu verlieren.

Juan verstand kein Wörtchen Englisch freilich Als nur Alt-England Schiboleth „God damm!“ Dies hört' er auch nur selten, so daß heilig Er überzeugt war, daß sei ihr „Salám“,

Ihr „Gott sei mit dir!“ Dies war sehr verzeihlich. Denn ich, obwohl doch halb von Englands Stamm, (Ja, leider!) hörte sie ein „Gott mit dir“ Nie anders sagen als auf die Manier.

Juan verstand den Gestus auf dem Fleck, Und da er hitzig war, kein Mann der Phrase, So zog er ein Pistol und brannte keck Dem einen seiner Gegner auf die Nase,

Daß brüllend er im heimatlichen Dreck Sich wälzte wie ein Ochs in seinem Grase. Er rief dem nächsten Bruder oder Landsmann: „Er macht mich kalt, Jack, dieser Hund von Franzmann.“

Worauf denn Jack nebst Anhang eiligst floh. Juans Gefolge, welches weit voraus war, Kam jetzt zurück mit Schreien und Halloh Und bot (wie meistens) Hülf', als alles aus war.

Des „Mondes Schooßkind“ blutet' aber so, Daß es ein wahrer Gießbach roten Thaus war; Juan schrie laut nach Leinen und Verband Und wünscht', er hätte nicht gleich losgebrannt.

„Vielleicht,“ so dacht' er, „daß die Beefsteak-Esser Fremdlinge so begrüßen; 's ist zu glauben: Gewisse Wirte machen's ja nicht besser, Nur daß sie uns mit Bücklingen berauben,

Anstatt mit eh'rner Stirn und blankem Messer. Was ist zu thun? Ich kann doch nicht erlauben, Daß dieser arme Teufel hier crepire; Kommt, hebt den Burschen auf! ich assistire.“

Doch eh' dies Liebeswerk vollbracht war, rief Der Dulder: „Halt! ich hab' mein Fett bekommen. O einen Schluck Anis! Mit mir geht's schief. Laßt mich nur hier.“ – Der Brennstoff war verglommen

In seinem Herzen; dick und russig lief Das Blut herab; er atmete beklommen; Dann, vom geschwollnen Hals löst' er mit Not Sein Tuch und rief: „für Dortchen!“ und war todt.

Befleckt mit blut'gen Tropfen fiel die Binde Juan zu Füßen. Er begriff nicht recht, Zu welchem Zweck das Tuch sich dort befinde, Denn er verstand das Abschiedswort nur schlecht.

Tom war einst ein Juwel von Londoner Kinde, Ein Teufelskerl, ein nobler, flotter Hecht, Voll Jux, voll „Mucks“, der stets in Saus und Braus war, Bis erst sein „Kies“ und dann sein Leben aus war.

Juan besorgte, was ihm Zeit und Ort Erlaubten, und sobald der Todtenschauer Gesessen hatte, fuhr er eilig fort. Das Schicksal mach' ihm doch das Leben sauer,

Dacht' er bei sich; es zwing' ihn, kaum von Bord, Nach einer Fahrt von nicht zwölfstünd'ger Dauer Schon einen Sohn des freisten Volks zu morden, Aus Notwehr, – dabei war er ernst geworden.

Er nahm der Welt doch einen großen Mann, Der einst heroisches Furore machte. Wer führte so wie Tom beim „Kappern“ an? Wo war ein „Rachler“, der so glatt und sachte

Auf „Bohlen“ ganft' und „Schukern“ schlau entrann? Der so beim „Schwubb“ und in der „Spiese“ lachte? Wer war so „tuft“ mit seinem schwarzen Mädel? So fix beim „Ringel“, überhaupt so edel?

Tom ist nicht mehr. Nicht mehr von Tom. Ihr wißt Auch Helden sterben, Gott in seiner Gnade Giebt ihnen meist nur eine kurze Frist. Willkommen Themse! über dein Gestade

Fliegt Don Juans Gespann; das Rasseln ist Wie Trommelwirbel während der Parade; Und weiter geht's durch Kensington und immer Noch neue „tons“, – man denkt, das endet nimmer.

Durch „Haine“, die so heißen, weil sie kahl sind, Lucus a non lucendo; durch Prospecte, „Lusthöhn“ getauft, weil sie ein Sitz der Qual sind Und flach; durch Backsteinhäuschen, hübsch geleckte,

Die für den Staub ein offnes Futteral sind, Daran ein Zettel „Zu vermieten“ steckte; Durch Straßen mit dem Titel „Paradiese“, Die Eva ohne tiefen Schmerz verließe;

Durch Kutschen, Karren, Rasseln, Drängen, Stocken, Durch Wirbel, Donner, Schrein, Confusion, – Hier Schenken, wo die vollen Krüge locken, Postkutschen, flüchtig wie Illusion,

Dort Fenster des Friseurs mit falschen Locken, Und hier des Lampenputzers Infusion Sanft niederrinnend in das blanke Glas, (Wir hatten nämlich damals noch kein Gas,) –

Durch dieses und viel mehr noch geht die Fahrt Und führt in Babels Herz den Fremdling ein, Und ob ihr reitet, wandert oder fahrt, Der Weg scheint stets der nämliche zu sein.

Ich könnte mehr noch sagen, doch erspart Mir dies das Reisehandbuch. Dämmerschein War auf den Tag gefolgt, dann Nacht und Schatten, Als sie die Brücke überschritten hatten.

Das ist recht hübsch, der Themse sanftes Wallen; Man hört für einen Augenblick den Strom Durch all die Goddams, welche rings erschallen. Jetzt Lampenreihn! da ist Westminsters Dom, –

Ein breites Pflaster, – dort, in jenen Hallen Wohnt ein gespenstisch Wesen, ein Phatom, Und schwebt als Mondlicht um den Bau, – der Ruhm! Denn dieser Platz ist Albions Heiligthum.

Die Druidenhaine sind (Gott Lob!) vergangen, Stone Henge ist's nicht, doch was es ist, weiß Gott. Bedlam jedoch blüht noch mit weisen Stangen, Damit kein Narr euch beiß', und der Bankrott-

Gerichtshof hält noch Schuldner sanft gefangen. Auch „Mansion-Haus“, oft bombardirt vom Spott, Scheint mir ein steifes, aber stolzes Haus, Indessen die „Abtei“ sticht alles aus.

Pall-Mall und Charing-Croß mit ihren Reihn Von Lampen schimmern, daß daneben bleich Wie neben Gold das Blei der Lampenschein Des Continents sich ausnimmt; denn zu reich

Pflegt dort der Glanz der Nächte nicht zu sein: Frankreich war noch kein lampenbrennend Reich, Und als es dieses wurde, hängt' es gerne Anstatt der Lampen Lump' an die Laterne.

So eine Reih' gehängter Cavaliere Und lust'ger Brand von Schlössern Nachts im Winde, Mag sein, daß es die Welt illuminire: Die alte Art taugt besser doch für Blinde.

Die andre ist wie Phosphor auf Papiere, Ein Irrlicht für die Geister, und ich finde, Daß solch ein Licht wohl schreckt und uns verwirrt, Jedoch nur leuchtet, wenn es sanfter wird.

Doch London ist so helle! wenn Diogenes Hier suchen wollte seinen „braven Mann“, Wo der enormen Stadt christlich erzogenes Geschlecht emporwächst, Lampenmangel kann

Es jedenfalls nicht sein, wenn sein verwogenes Project ihm fehlschlüg'. Alles setzt' ich dran, Ob' ich dies Kleinod fänd' auf meinem Pfad, Die Welt indeß war immer Advokat.

Pall-Mall hinauf durch Wagen ohne Zahl, – Das Volksgewühl wird dünner; donnernd kracht Der Klopfer ans versiegelte Portal, Das jeden Mahner bannt, jedoch um Nacht

Die Gäst' empfängt zum frühen Mittagsmahl. Mein junger Staatsmann rollt durch all die Pracht Vorüber an verschiedene Hotels Und an St. James Palast und St. James „Hells“.

Halt! das Hotel! – Schon flutet aus dem Thor Der Strom geputzter Kellner, und umher Stehn Gaffer, und natürlich auch ein Corps Von jenem paphischen Fußgängerheer,

Das diese keusche Stadt im schönsten Flor Besitzt, – unsittlich, aber nützlich sehr, Worüber man bei Malthus Näh'res lese. Jetzt aber steigt Juan aus seiner Chaise.

In sein Hotel, ein süßes Institut Für Fremde, namentlich wenn sie sich wiegen Auf der Fortuna oder Hofgunst Flut Und nicht der Last der theuren Zech' erliegen.

Schon mancher Diplomat hat dort geruht, In diesem Brutnest höherer Intrigen, Bis er in nobler Straß' ein eignes Haus nahm, Wo sich sein Messingschild gar stattlich ausnahm.

Juans Geschäft war äußerst delicat, Geheim, obschon von öffentlichem Werte; Deswegen führt' er auch kein Prädicat, Das über seinen Reisezweck belehrte.

Es hieß nur, daß ein fremder Diplomat In wicht'ger Sendung unser Land beehrte, Jung, hübsch und – dieses warf man leiser hin – Der Günstling einer großen Kaiserin,

Auch das Gerücht von manchem Abenteuer Ging vor ihm her, von Kämpfen und von Minnen, Und da Romantiker mit vielem Feuer Ins Schöne malen und Engländerinnen

Gern ohne der Vernunft langweil'ges Steuer In hohe See gehn, (wenn sie mal beginnen,) So ward er ungeheuer Mode. Moden Sind Leidenschaften auf Alt-Englands Boden.

Sie sind nicht ohne Leidenschaft, – o nein! Nur sitzt dieselb' im Kopf. Das gilt gleichviel; Die Folgen pflegen ganz so schön zu sein, Als wären auch die Herzen mit im Spiel.

Was liegt daran, woselbst die Schwärmerein Der Damen sitzen? wenn sie an das Ziel Uns sicher tragen, dann ist an den Wegen, Ob Herzen oder Köpfe, nichts gelegen.

Nun übergab Juan am richt'gen Platze Dem Platzinhaber jedes Creditiv Und ward sehr schön empfangen, – eine Fratze, Die mit dem üblichen Eclat verlief.

Da nun sein Kinn glatt war wie eine Glatze, So glaubte man, (die Staatskunst blickt so tief!) Man werde dieses elegante Herrchen So leicht verspeisen wie ein Habicht Lerchen.

Man irrte. Alter schützt vor Irrthum nicht. Doch hievon später, oder lieber nie. Mir imponirt das doppelte Gesicht Der hohen Politik nur wenig, die

Von Lügen lebt und Lügen radebricht. Wie anders Damen! freilich lügen sie, Sie müssen, aber machen's so vorzüglich, Die Wahrheit selbst erscheint daneben trüglich.

Was ist am Ende Lügen? Lügen ist Wahrheit im Maskenstaat. Schreibt mal Geschichte, Historiker, Held, Priester und Jurist, Die auf das Salz der Lüge ganz verzichte!

Der bloße Schatten wahrer Wahrheit schließt Annalen, Offenbarungen, Gedichte, Weissagung, – wenn sie nicht protokollirt ist, Bevor der prophezeite Fall passirt ist.

Gelobt sei Lüg' und Lügner! Wer erfand, Daß meine milde Mus' auf Menschen schmäht? Sie singt der Welt Tedeum, ist entbrannt Von Scham für Leute ohne Scham. Zu spät

Zum Seufzen ist es, – kommt und küßt die Hand, Die Füße, jeden Theil der Majestät, Nach Irlands schönem Beispiel, dessen Klee Recht welk aussieht vom Tragen beim Lever.

Juan ward vorgestellt. Die feine Blässe Riß alles hin, und seines Schneiders Kunst Ward angestaunt, und daß ich's nicht vergesse, Ein Riesendiamant fand hohe Gunst,

Den Katharin' in Stunden der „Ivresse“ (Berauscht von Brantwein oder Liebesbrunst) Ihm schenkte, wie das Publicum schon wußte, Für den er folglich ehrlich schwitzen mußte.

Nun müssen die Minister sammt den Räten Zwar höflich sein mit all den Diplomaten Der etwas wackeligen Majestäten, Bis sie ihr königliches Rätsel raten;

Doch selbst die Schreiber, diese aufgeblähten Träger der Macht in angefaulten Staaten, Selbst diese etwas schmutz'ge Bande war Kaum flegelhaft genug für ihr Salar.

Sie sind ja angestellt, um frech zu sein, Und das ist ihre Arbeit alle Tage In theuren Friedens- oder Kriegskanzlein. Du zweifelst? Irgend einen Nachbarn frage,

Der Pässe oder sonst'ge Schererein Von ihnen braucht, (o jammervolle Lage!) Ob nicht dies Volk, das fett von Brüch' und Tax' ist, Der gröbste Mops des ganzen Hundepacks ist?

Juan indeß fand nur „Empressement“. In feinen Phrasen ahm' ich Frankreich nach, Wo Freud' und Schmerz den vorgeschriebnen Gang Zu wandeln hat, wie die Figur beim Schach,

Nicht bloß beim Plaudern, auch in Büchern. Zwang, Der auf dem Festland blüht, gedeiht nur schwach Auf Inseln, und die See (sieh Billingsgate) Giebt auch den Zungen Elasticität.

Und doch ist Englands „damme“ noch ziemlich attisch; Ein Festlandsfluch mag für ein Landfest passen, Der Dinge nennt, die kein aristokratisch Herz ahnt und die sich nicht citiren lassen,

Wenn man sich nicht der Höflichkeit schismatisch Entfremden will; sie schmecken nach den Gassen; „Damme“ ist ätherisch, wenn auch nicht kanonisch, Ein seelenvolles Fluchen, ganz platonisch.

Wer Grobheit sucht, der bleibe fein zu Haus, Die Feinheit trifft er (jetzt trifft er sie kaum) Jenseits des weißen Schaums und dunklen Blaus, – Das Blau Emblem der Heimat und der Schaum

Das Bild von Dingen, die es giebt da draus. Doch still, wir haben weder Zeit noch Raum Für allgemeine Themata; nur eines Muß ein Gedicht behandeln, so wie meines.

Die große Welt, das heißt verdeutscht und platt Viertausend Menschen circa, Herrn und Frauen, Im schlimmsten oder Westend' einer Stadt, Die nicht zu Bett gehn vor dem Morgengrauen,

Und die, obgleich an Witz und Weisheit matt, Mitleidig auf die Schöpfung niederschauen, – Die große Welt empfing Juan sehr gut Als Mann vom allerbesten blauen Blut.

Er war noch Junggesell, – für Frauenzimmer Ein wicht'ger Punkt, für Mädchen und Gefreite, Der Erstren weckt es süßen Hoffnungsschimmer Und ist auch nie ganz wertlos für die Zweite,

(Wenn Lieb' und Stolz nicht schirmt.) Die Ripp' ist immer Ein Dorn in des vermählten Freundes Seite, Erfordert Schonung, macht die Sünde schrecklicher Und (was noch schlimmer ist) bedeutend häklicher.

Juan war Junggesell von Hand und Herzen, Jedoch ein Meister in Gesang und Tanz; Sein Antlitz trug den Ausdruck zarter Schmerzen, Wie Mozart's süße Weisen; er verstand's

Traurig zu sein und wieder auch zu scherzen, Und dieses Auge mit so jungem Glanz Sah schon die Welt; und die sieht bunt und kraus Und völlig anders als in Büchern aus.

Jungfraun erröteten vor ihm, und Frauen Prangten vor ihm mit minder flücht'gen Blüten; Denn beides produciren Englands Auen, Farb' und Gefärbte. Schmink' und Jugend glühten,

Um für sein Herz den Zaubertrank zu brauen, Vor welchem Herren sich nur schwer behüten. Die Töchter schwärmten, Mütter fragten schon: „Was hat er jährlich? Ist er einz'ger Sohn?“

Die Modehändler, die mit klugem Sinne Fräuleins auf Speculation drapiren Und, eh' der Honigmond der jungen Minne Zum Halbmond welkt, die Rechnung präsentiren,

Gedachten eine Chance zum Gewinne, Wie solch ein Fremdling bot, nicht zu verlieren Und borgten so, daß künft'ge Ehegatten Wehklagten, fluchten und – zu zahlen hatten.

Die „Blauen“, die bei Versen zärtlich klagen Und deren Köpf' und Hüt' im Innern nur Schöngeistige Journal' als Futter tragen, Rückten heran im prächtigsten Azur,

Um ihn in schlechtem Spanisch auszufragen Nach castilianischer Literatur, Und ob auch Russisch weich wie Spanisch laute, Und ob er die Ruinen Troja's schaute.

Juan, der etwas oberflächlich war, Wußt' oft nicht recht, was er antworten sollte, Als dieser sachverständ'ge Damenschar Ihn so genau vernahm zu Protokolle.

Sein Dienst im Feld, Bureau und auch Boudoir Und Studien für seine Tänzerrolle Hielten ihn fern von Hippokrene's Rand, Den er für grün hielt, aber bläulich fand.

Er gab auf gutes Glück Antworten mit Bescheidner Sicherheit und sonder Aechzen; Die blauen Damen gaben ihm Credit Und schienen nach Belehrung sehr zu lechzen.

Das Wunderkind Miß Arabella Smith, Die den „verrückten Hercules“ mit sechzehn In noch verrücktres Englisch übertrug, Schrieb seine Auskünft' in ihr Tagebuch.

Die neuren Sprachen hatt' er ziemlich los Und zeigte sich dadurch in günst'gem Lichte Bei den gelehrten Damen, welche bloß Bedauern mußten, daß er gar nicht dichte.

Dies Eine noch, dann würd' er grandios Dastehn vor diesem weiblichen Gerichte! Lady Fitz-Frisky und Miß Mävia Mannisch Sähn gar zu gern sich angereimt auf Spanisch.

Trotz dessen macht' er Glück und ward erkoren Als Aspirant zu allen Coterien. Wie Banquo's Vision heraufbeschworen Sah er in Assembléen und Theepartien

Circa zehntausend lebende Autoren (Dies ist die Durchschnittszahl,) vorüberziehen, Nicht minder achtzig größte jetz'ge Dichter, – Denn jedes Wurstblatt hat ja seine Lichter.

Wenn du so'n größter Dichter bist, so mußt Du, wie der Held der Boxerprofession Nach ein'gen Jahren zeigen, wie robust Du dich erhieltst, – sonst ist dein Reich entflohn.

Ich selbst, obwohl ich nichts davon gewußt Und nie getrachtet nach dem Narrenthron, Ich war geraume Zeit der Kaiserheld Napoleon in der gereimten Welt.

Dann war „Juan“ mein Moskau und „Faliero“ Mein Leipzig und mein Mont St. Jean scheint „Kain“; Die Belle-Alliance der Tröpfe kann nunmehro Victoria ob dem todten Löwen schrein.

Ich mindestens will fallen wie mon héros Und gar nicht oder ganz ein Kaiser sein. Ein einsam Eiland giebt's wohl irgendwo, Und Judas Southey sei mein Hudson Lowe.

Vor mir regierten Campbell, Moore und Scott; Jetzt aber sind die Musen salbungsvoller Besuchen Zion und verkehren flott Mit halber Geistlichkeit und auch mit voller,

Und Pegasus in küsterhaftem Trott Trägt jetzt im Sattel Ehren Roller Poller, Den neuen Fähnrich Pistol, der mit Stelzen Das Götterpferd beschlägt, – es ist zum Wälzen.

Mein sanfter Euphues dann, von dem sie sagen, Daß er mein zweites Ich, nur sittlich, sei; Wie schwer das ist, wird ihm vielleicht noch tagen, Erst Ich zu sein und sittlich noch dabei.

Auch Coleridge soll jetzt eine Krone tragen, Und Wordsworth hat Verehrer (zwei bis drei), Und Savage Landor, dieser große Hans, Sieht einen Schwan in Schelmen Southey's Gans.

John Keats starb an Kritik und ward begraben, Just als er groß ward, wenn auch nicht verständlich; Er konnte ohne Griechisch so erhaben Von Göttern reden (oder lernt' es endlich,)

Wie einst die Götter selbst geredet haben. Der arme Schelm! es ging ihm wirklich schändlich. Seltsam, daß Geist, die feurige Partikel, So ausgeschnäuzt wird durch Journalartikel.

Lang wird die Liste derer, die da werben Um das, was keiner erntet. Keiner weiß Den Sieger wenigstens, den rechten Erben. Gras deckt, bevor die Zeit austheilt den Preis,

Sein ausgebranntes Hirn und morsche Scherben. Ich wett' auf keinen in dem ganzen Kreis; Sie sind zu zahlreich wie die dreißig Spott- Tyrannen um die Zeit von Roms Bankrott.

Das Rom der Dichtkunst ist verfault: Eunuchen Und Prätorianer machen die Affaire; „Ein fürchterlich Geschäft“ wie „Fenchelsuchen“, Schönthun zu müssen mit dem Mietlingsheere,

Gleich wie man Drachen ruhig hält mit Kuchen! Wenn ich daheim und bei Satire wäre, So bänd' ich an mit diesen Janitscharen; Was Geisterschlacht heißt, sollten sie erfahren.

Ich glaub', ich kenne zwei, drei Fechterkniffe, Die sie zum Purzeln brächten, diese alle, Wenn ich mich je an kleinem Wild vergriffe; Es fehlt mir wirklich an der nöt'gen Galle.

Ich bin durchaus kein Mann von scharfem Schliffe, Und meine Muse lacht im schlimmsten Falle, Knixt zierlich dann und schwebt hinweg und denkt, Sie habe keine Seele sehr gekränkt.

Ich ließ Juan in tödtlicher Gefahr Bei blauen Damen und lebend'gen Dichtern. Er fand indeß dies Feld bald unfruchtbar Und lief davon, eh' er von seinen Richtern

Zerrissen oder sonst mishandelt war. Und jetzt vereint' er sich mit höhern, lichtern Geistern des Tages, der kein Nebel, nein, Ein Sohn der Sonne war und Sonnenschein.

Den Morgen weiht' er immer den Geschäften, Das heißt, wenn man das Ding bei Licht beschaut, Mühsamem Nichtsthun, das mit gift'gen Säften Das ärgste Nessushemd für unsre Haut,

Ermattung zeugt. Ihr liegt mit lahmen Kräften Im Canapé und seufzt, wie sehr euch graut Vor aller Arbeit, wär' das Wohl des Staats nicht, (Dem gar nicht wohl ist, denn sein Wohl, er hat's nicht.)

Der Tag verging mit Frühstück, Boxen, Bummeln, Besuchen; später mußt' er sich bei Abendrot In jenen großen Pflanzenkübeln tummeln, Mit Namen „Park“, allwo aus Blumennot

Das kleinste Häuflein Bienen oder Hummeln Entbehren müßte sein bescheiden Brot. Doch ist's der einz'ge Fleck, wo unsre „Welt“ Ein schwaches Bild von frischer Luft erhält.

Dann Gala, dann Diner, die Welt erwacht, Die Lampen schimmern, Kutschen rasseln vor; Auf Squares und Straßen rollt Karossenpracht, Blitzend, ein aufgeschirrtes Metor;

Nun wehen die Festons, nun dröhnt und kracht Messingner Donner, auf thut sich das Thor, Und vor den tausend Glücklichen entrollt Sich ein Elysium von Muschelgold.

Da steht die edle Wirtin, unversehrt Trotz tausend Knixen, und der Walzer dort, Der einz'ge Tanz, der Mädchen denken lehrt, Reißt uns sogar durch seine Mängel fort.

Die letzten Gäste machen wieder Kehrt, Denn voll sind Säle, Zimmer, jeder Ort; Selbst Prinzen klettern neben Herzoginnen, Um einen Zollbreit Treppe zu gewinnen.

Dreimal beglückt, wer sich aus diesem Fest Nach einer flücht'gen Umschau mit Geschick In irgend einen stillen Winkel preßt, Woselbst er hocken mag wie „Daumesdick“

Und Babel nach Belieben wirbeln läßt. Er selbst genießt für sich den Ueberblick, Mit Beifall oder Spottsucht oder Trauer Und auch mit etwas Gähnen auf die Dauer.

Das geht indeß nicht immer so. Denn wer Wie Don Juan activen Antheil nimmt, Muß sorgsam steuern durch das bunte Meer, Das von Juwelen, Seid' und Federn glimmt,

Nach jedem Platze, wo er gerne wär'. Seht, wie er jetzt im Walzer schwebt und schwimmt, Jetzt stolzer springt, Mercur an flinker Kraft, In den Quadrillen höhrer Wissenschaft.

Und tanzt er nicht, verfolgt er höh're Ziele, Zum Beispiel einen reichen Schwiegervater Oder des Nächsten Eheweib, so spiele Er recht verdeckt und nicht sein Ziel verrat' er.

Zu große Hast bereuten schon gar Viele, Und Ungeduld ist nur ein schlechter Rater Bei einem Volk, das stets mit Vorbedacht Und Umsicht seine dummen Streiche macht.

Sieh zu, den nächsten Platz bei Tisch zu kriegen; Wenn das nicht geht, liebäugle vis-à-vis. O Götterzeit! ihr Bild kann nie verfliegen; Wie ein verliebter Kobold reitet sie,

Ein Geist der Freuden, die im Grabe liegen, Hoch auf der Kruppe unsrer Phantasie. Wer kann es sagen, wie ein einz'ger Ball Hoffnung und Furcht aufschnellt und bringt zu Fall!

Dies alles gilt nur von der großen Meute, Die jagen muß und rennen nach den Zielen, Und die ein Wort oft prellt um ihre Beute. Nicht gilt es für die Wen'gen oder Vielen,

(Denn manchmal sind sie zahlreich, diese Leute,) Mit neuen oder classischen Profilen, Die Witzigen, die Tapfren, Weisen, Tollen, Die thun und lassen dürfen, was sie wollen.

Mein Held, jung, vornehm, hübsch, wie jeder Held, Reich, fremd, gefeiert, muß wie andre Sklaven Erst tüchtig zahlen, hohes Lösegeld, Eh' er vor der Gefahr entkömmt zum Hafen,

Die Größe stets umgiebt. Gar mancher hält Dichtkunst, Verkrüpplung, Zahnweh, Leibesstrafen Für Uebel, – ach, ich wollt' etwas drum geben, Er säh' einmal, wie junge Edle leben.

Jung ohne Jugend, hübsch, doch ausgesogen, Steinreiche Erben ohne einen Dreier, Die Kraft in tausend Armen längst verflogen, Ihr Gut versetzt, ihr Geld vom Pfandverleiher,

Ihr Votum im Senate gleich gewogen Für Tyrannei und radicale Schreier, – So wird votirt, gespielt, gehurt, gepraßt, – Die Ahnengruft empfängt den neuen Gast.

„Wo ist die Welt?“ rief Young mit achtzig Jahren, „Die Welt, in die ein Mensch kam?“ – Achtzig? was? Acht Jahre sagt. Wo ist sie? – Hingefahren! Da war sie; – sie ist fort, – zerbrochnes Glas,

Zerknickt, zerschmettert; über all der raren Funkelnden Schönheit wächst allmählich Gras; Staatsmänner, Feldherrn, Fürsten, Königinnen Und Dandies weht des Windes Hauch von hinnen.

Wo ist der große Napoleon? – Gott weiß. Wo Castlereagh der Kleine? – das weiß Satan. Wo sind die Redner, die den Hörerkreis Entzückten, Curran, Sheridan und Grattan?

Wo die Prinzeß, der Inseln Stolz und Preis? Wo ihre Mutter und ihr Leidenspfad dann? Wo sind die Märtyrer, die Fünfprocente? Und wo, o wo zum Teufel ist die Rente?

Wo Brummel? – Futsch. Wo Long Pole Wellesley? – Flöten. Wo Whitbread? Romilly? Wo George der Dritte? Wo ist sein Testament? – Antwort: Erröten. Wo Fum der Vierte, Königlichster Britte?

Schottland tractirt ihn jetzt mit Haferbröten Und Geigenspiel nach alter Schotten-Sitte, „Krau' mich, krau dich“, – o Schauspiel zum Entzücken! Loyales Kratzen, königliches Jücken!

Wo ist Lord X? wo Lady Ypsilon? Wo all die edlen Fraun von Z. bis A? Verlegt, wie Putz von voriger Saison, Vermählt, getrennt und neuvermählt, – man sah

Jüngst mehrfach diese Evolution. Wo Londons Zischen und Dublins Hurrah? Wo sind die Grenville's? – Wacklig, wie seit Jahren. Wo meine lieben Whigs? – Just wo sie waren.

Wo Lady Carolina? Lady Frances? Geschieden oder reif dafür. Erzähle, O „Moring-Post!“ – du Chronik alles Glanzes, Zerbrochner Kutschenleisten, voller Säle,

Vornehmer Grillen, jedes Routs und Tanzes, – Was strömt denn jetzt durch diese Prachtcanäle? Ach, mancher starb, verdarb, entfloh aufs Festland, Denn schlimme Zeit nahm manchem jeden Rest Land.

Und manche, die nach Grafen sonst gefischt, Nimmt nun vom jüngren Bruder gern ihr Futter; Und Schwindler haben Erbinnen erwischt, Jungfrauen wurden Fraun, auch wohl bloß Mutter;

Die Schönheit welkt dahin, der Glanz erlischt, – Ach dieser Wechsel macht mich weich wie Butter; Der Wechsel ist gewöhnlich, doch curios ist, Daß er in dieser kurzen Zeit so groß ist.

Sagt nicht, ein Leben währe siebzig Jahr'; Ich sah so viel Veränderung in sieben, Daß sie genug für ein Jahrhundert war. Ich weiß, nichts währt; jetzt aber, meine Lieben,

Wird mir der Wandel selbst zu wandelbar, Und ohne neu zu sein. Nichts ist geblieben, Nichts bleibt und hat Bestand auf dieser Erden, Als daß die Whigs niemals Minister werden.

Ich sah Napoleon, der wie Zeus einherzog, Einschrumpfen zum Saturn; ich sah sodann – Ich brauche nicht zu sagen welchen Herzog Als Staatsmann, wenn man dies sich denken kann,

Stupider werden, als da er das Schwert zog; Ich sah sogar – und all mein Blut gerann – Den König ausgezischt und caressirt; Was besser war, sei hier nicht ventilirt.

Ich sah die Gutsherrn Englands als Ruine, Ich sah die Southcote, sah den Reichssenat In Thätigkeit als Steuerdruckmaschine, Sah Narrenköpf' in fürstlichem Ornat,

Sah den Skandal mit Kön'gin Caroline, Sah den Congreß, der, was gemein war, that, Sah ein'ge Völker, Eseln gleich, am Ende Die Last abschütteln, ihre bessern Stände.

Ich sah, wie Prosa wuchs und Dichtung schwand, Ich sah nie endende (nicht ew'ge) Sprecher: Ich sah die Fonds im Krieg mit Haus und Land, Ich sah statt trotz'ger Junker arme Schächer;

Ich sah das Volk zerstampft wie schlechten Sand Von Sklaven hoch zu Roß, sah Malzbier schwächer Und schwächer werden, und ich sah sogar John Bull gestehn, daß er ein Esel war.

Doch „carpe diem!“ – carpe, mein Juan! Schon morgen kömmt ein neu und jung Geschlecht Und blüht und welkt und wird gefressen dann. „Spielt euer Spiel, ihr Schufte!“ – es ist schlecht,

Eur ganzes Stück, auch kömmt nicht viel drauf an, Wie ihr agirt, wenn ihr nur leidlich sprecht. Seid heuchlerisch, seid wachsam, ihr versteht; Seid niemals was ihr scheint, stets was ihr seht.

Wie aber soll ich alles das berichten, Was unser Held in einem Land erfuhr, Das alle Welt in Fabeln und Geschichten Preist als die Heimat sittlichster Cultur;

Ich mag nicht eine „Atalantis“ dichten. 's ist besser, wir verständigen uns nur: Ihr seid nicht sittlich; daß ein Satirist es Erst sag', ist überflüssig, denn ihr wißt es.

Mein Thema sei, was er erlebt und sah, Natürlich mit der obligaten Sichtung, Die guter Ton erheischt. Und merkt euch ja, Daß dieses Werk nichts weiter ist als Dichtung

Und nichts behandelt, was mir selbst geschah. Die Feinen sehn in Worten, Ton und Richtung Bezüg', an die ich nie gedacht. Vertraut, Dergleichen flüstr' ich nicht, das sag ich laut.

Ob eine kluge Gräfin ihn beehrte, Die vierte Tochter an ihn abzusetzen; Ob er mit einer Maid von höhrem Werte (Ich mein', an bräutlichen und baren Schätzen)

Gesetzlich die Bevölkerung vermehrte, (Urquell von Ehgesetzen und Entsetzen;) Ob er belangt ward auf Entschädigungen Für allzu prononcirte Huldigungen,

Das liegt noch in dem dunklen Schooß der Zeit. Für jetzt, mein Lied, geh hin! – ich wette gegen Ein gleiches Quantum Reime, daß du Streit Und Kampf bestehen wirst auf deinen Wegen,

Wie jedes Werk von gleicher Trefflichkeit, Mit Leuten, die weiß schwarz zu nennen pflegen. Nur zu! – Ich geb', auch wenn ich einsam bin, Mein freies Denken nicht um Kronen hin.

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Elfter Gesang. · George Gordon Lord Byron · Poetry Cove