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1870

Siebentes Kapitel

Wilhelm Busch

Der Mond. Dies Wort so ahnungsreich, So treffend, weil es rund und weich – Wer wäre wohl so kaltbedächtig, So herzlos, hart und niederträchtig,

Daß es ihm nicht, wenn er es liest, Sanftschauernd durch die Seele fließt? – Das Dörflein ruht im Mondenschimmer, Die Bauern schnarchen fest, wie immer.

Es ruhn die Ochsen und die Stuten, Und nur der Wächter muß noch tuten, Weil ihn sein Amt dazu verpflichtet, Der Dichter aber schwärmt und dichtet.

Was ist da drüben für ein Wink? Ist das nicht Rieke Mistelfink? Ja, wie es scheint, hat sie bereut Die rücksichtslose Sprödigkeit.

Der Dichter fühlt sein Herz erweichen. Er folgt dem liebevollen Zeichen. Er drängt sich, nicht ganz ohne Qual, In ein beschränktes Stallokal.

Mit einem Mäh! mit einem langen Sieht er sich unverhofft empfangen. Doch nur ein kurzes Meck begleitet Den Seitenstich, der Schmerz bereitet.

Ein Stoß grad in die Magengegend Ist aber auch sehr schmerzerregend. Daß selbst ein Korb in solcher Lage Erwünscht erscheint, ist keine Frage.

Bedeckung findet sich gar leicht; Es fragt sich nur, wie weit sie reicht. – Und grade kommt die Rieke hier, Der Krischan emsig hinter ihr;

Sie mit vergnügtem Mienenspiel, Er mit dem langen Besenstiel. Er schiebt ihn durch des Korbes Henkel Und zwischen Bählamm seine Schenkel.

Nachdem er sicher eingesackt, Wird er gelupft und aufgepackt. Er strampelt sehr, denn schwer im Sinn Liegt ihm die Frage: Ach, wohin?

Ein Wasser, mondbeglänzt und kühl, Ist das erstrebte Reiseziel, Und angelangt bei diesem Punkt Wird fleißig auf und ab getunkt;

Worauf, nachdem der Korb geleert, Das Liebespaar nach Hause kehrt.

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