Skip to content
1870

Neuntes Kapitel

Wilhelm Busch

Es war im schönen Karneval, Wo, wie auch sonst und überall, Der Mensch mit ungemeiner List Zu scheinen sucht, was er nicht ist.

Dem Kuno scheint zu diesem Feste Ein ritterlich Gewand das beste. Schön Suschen aber schwebt dahin Als holdnaive Schäferin.

Schon schwingt das Bein, das graziöse, Sich nach harmonischem Getöse Bei staubverklärtem Lichterglanze Im angenehmsten Wirbeltanze. –

Doch ach! die schöne Nacht verrinnt. Der Morgen kommt; kühl weht der Wind. Zwei Menschen wandeln durch den Schnee Vereint in Kunos Atelier.

Und hier besiegeln diese zwei Sich dauerhafte Lieb und Treu. – Hoch ist der Liebe süßer Traum Erhaben über Zeit und Raum. –

Der Kuno, davon auch betäubt, Vergaß, daß man heut Mittwoch schreibt. – Es rauscht etwas im Vorgemach. O weh! Das Fräulein von der Ach!

„Herzallerliebster Schatz, allons! Verbirg dich hinter dem Karton!“ „Willkommen, schönste Gönnerin! Hier, bitte, treten sie mal hin!“

Begonnen wird das Konterfei. Der Spitz schaut hinter die Stafflei. Der Künstler macht sein Sach genau. Der Spitz, bedenklich, macht wau, wau!

Entrüstet aber wird der Spitz Infolge eines Seitentritts. Die Haare sträuben sich dem Spitze. Die Staffel schwankt. Ausrutscht die Stütze;

Und mit Gerassel wird enthüllt Der Schäferin verschämtes Bild. Nach dieser Krisis, wie ich bemerke, Geht es zu End' mit dem löblichen Werke.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Neuntes Kapitel · Wilhelm Busch · Poetry Cove