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1870

Julchen das Wickelkind

Wilhelm Busch

Also, wie bereits besprochen: Madame Knoppen ist in Wochen, Und Frau Wehmut, welche kam Und das Kind entgegennahm,

Rief und hub es in die Höh: „Nur ein Mädel, ach herrje!“ (Oh, Frau Wehmut die ist schlau; So was weiß sie ganz genau!)

Freilich Knopp der will sich sträuben, Das Gesagte gleich zu gläuben; Doch bald überzeugt er sich, Lächelt etwas säuerlich,

Und mit stillgefaßten Zügen Spricht er: „Na, denn mit Vergnügen!!“ Dieses Kind hat eine Tante, Die sich Tante Julchen nannte;

Demnach kommt man überein, Julchen soll sein Name sein. Julchen, als ein Wickelkind, Ist so, wie so Kinder sind.

Manchmal schläft es lang und feste, Tief versteckt in seinem Neste. Manchmal mit vergnügtem Sinn Duselt es so für sich hin.

Manchmal aber wird es böse, Macht ein lautes Wehgetöse Und gibt keine Ruhe nicht, Bis es was zu lutschen kriegt. –

Sein Prinzip ist überhaupt: Was beliebt ist auch erlaubt; Denn der Mensch als Kreatur Hat von Rücksicht keine Spur. –

O ihr, die ihr Eltern seid, Denkt doch an die Reinlichkeit! Wahrlich, hier gebührt Frau Knopp Preis und Ehre, Dank und Lob.

Schon in früher Morgenstund Öffnet sie den Wickelbund, Gleichsam wie ein Postpaket, Worauf Knopp beiseite geht.

Mit Intresse aber sieht Er, was fernerhin geschieht. Macht man Julchens Nase reinlich, So erscheint ihm dieses peinlich.

Wie mit Puder man verfährt, Dünkt ihm höchst bemerkenswert. Freudevoll sind alle drei, Wenn die Säuberung vorbei.

Nun mag Knopp sich gern bequemen, Julchen auch mal hinzunehmen. Flötend schöne Melodien, Schaukelt er es auf den Knien.

Auf die Backe mit Genuß Drückt er seinen Vaterkuß.

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