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1870

Eheliche Ergötzlichkeiten

Wilhelm Busch

Ein schönes Beispiel, daß obiges wahr, Bieten Herr und Frau Knopp uns dar. Hier ruht er mit seiner getreuen Dorette Vereint auf geräumiger Lagerstätte.

Früh schon erhebt man die Augenlider, Lächelt sich an und erkennt sich wieder, Um alsobald mit einem süßen Langwierigen Kusse sich zu begrüßen.

Knopp aber, wie er gewöhnlich pflegt, Ist gleich sehr neckisch aufgelegt. Ganz unvermutet macht er: Kieks! Hierauf erhebt sich ein lautes Gequieks.

Dorette dagegen weiß auch voll List, Wo Knopp seine lustige Stelle ist. Nämlich er hat sie unten am Hals. Kiewieks! Jetzt meckert er ebenfalls.

Nun freilich möchte sich Knopp erheben Und schnell vom Lager hinwegbegeben, Wird aber an seines Kleides Falten Spiralenförmig zurückgehalten.

Husch, er nicht faul, eh man sich's denkt, Hat sich nach hinten herumgeschwenkt Und unter die Decke eingebohrt, Wo man recht fröhlich herumrumort. –

Nach diesen gar schönen Lustbarkeiten Wird's Zeit zur Toilette zu schreiten. Gern wendet Frau Doris anitzo den Blick Auf Knopp sein Beinbekleidungsstück,

Welches ihr immer besonders gefiel Durch Ausdruck und wechselndes Mienenspiel. Bald schaut's so drein mit Grimm und Verdruß, Bald voller Gram und Bekümmernus.

Bald zeigt dies edle Angesicht Nur Stolz und kennt keinen Menschen nicht. Aber bald schwindet der Übermut; Es zeigt sich von Herzen sanft und gut,

Und endlich nach einer kurzen Zeit Strahlt es in voller Vergnüglichkeit. – Dorettens Freude hierüber ist groß. Knopp aber ist auch nicht freudenlos;

Denn ihm lächelt friedlich und heiter, Nach unten spitzig, nach oben breiter, Weißlich blinkend und blendend schön, Ein hocherfreulidies Phänomen.

Besonders zeigt sich dasselbe beim Sitzen, In der Mädchensprache nennt man's Blitzen. – „Madam, es blitzt!“ ruft Knopp und lacht. Schlupp! wird die Sache zugemacht.

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