Alsbald nach dieser Spritzaffäre Kommt unser Kuno in die Lehre Zum braven Malermeister Quast; Ein Mann, der seine Kunst erfaßt,
Ein Mann, der trefflich tapeziert Und Ofennischen marmoriert, Und dem für künstlerische Zwecke Erreichbar selbst die höchste Decke.
Der Kunstbetrieb hat seine Plagen. Viel Töpfe muß der Kuno tragen. Doch gerne trägt er einen Kasten Mit Vesperbrot für sich und Quasten.
Es fiel ihm auf, daß jeder Hund Bei diesem Kasten stillestund. „Ei!“ – denkt er – „das ist ja famos!“ Und macht den Deckel etwas los.
Ein Teckel, der den Deckel lupft, Wird eingeklemmt und angetupft, So daß er buntgefleckelt ward, Fast wie ein junger Leopard.
Ein Windspiel, das des Weges läuft Und naschen will, wird quer gestreift; Es ist dem Zebra ziemlich ähnlich, Nur schlanker als wie dies gewöhnlich.
Ein kleiner Bulldogg, der als dritter Der Meinung ist, daß Wurst nicht bitter, Wird reizend grün und gelb kariert, Wie's einem Inglischmän gebührt.
Ungern bemerkt dies Meister Quast. Ihm ist die Narretei verhaßt; Er liebte keine Zeitverschwendung Und falsche Farbestoffverwendung.
Er schwieg. Doch als die Stunde kam, Wo man die Vespermahlzeit nahm, Da sprach er mild und guten Mutes: „Ein guter Mensch kriegt auch was Gutes!“
Er schnitt vom Brot sich einen Fladen. Der Kuno wird nicht eingeladen. Er greift zur Wurst. Er löst die Haut. Der Kuno steht dabei und schaut.
Die Wurst verschwindet allgemach. Der Kuno blickt ihr schmachtend nach. – Die Wurst verschwand bis auf die Schläue. Der Kuno weint der Tränen zweie.
Doch Meister Quast reibt frohbedächtig Den Leib und spricht: „Das schmeckte prächtig! Heut abend laß ich nichts mehr kochen!“ – Er hält getreu, was er versprochen;
Geht ein durch seine Kammerpforte Und spricht gemütlich noch die Worte: „Sei mir willkommen, süßer Schlaf! Ich bin zufrieden, weil ich brav!“
Der Kuno denkt noch nicht zu ruhn. Er hat was Wichtiges zu tun. Zunächst vor jeder andern Tat Legt er sein Ränzel sich parat.
Sodann erbaut er auf der Diele Aus Töpfen, Gläsern und Gestühle Ein Werk im Stil der Pyramiden Zum Denkmal, daß er abgeschieden.
Apart jedoch von der Verwirrnis Stellt er den Topf, gefüllt mit Firnis. Zuletzt ergreift er, wie zur Wehre, Die mächtige Tapetenschere.
Quasts Deckbett ist nach altem Brauch Ein stramm gestopfter Federschlauch. Mit einem langen, leisen Schnitte Schlitzt es der Kuno in der Mitte.
Rasch leert er jetzt den Firnistopf Auf Quastens ahnungslosen Kopf. Quast fährt empor voll Schreck und Staunen, Greift, schlägt und tobt und wird voll Daunen.
Er springt hinaus in großer Hast, Von Ansehn wie ein Vogel fast, Und stößt mit schrecklichem Rumbum Die neuste Pyramide um.
Froh schlägt das Herz im Reisekittel, Vorausgesetzt, man hat die Mittel. Nach diesem ahnungsvollen Vermerke Fahren wir fort im löblichen Werke.
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