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1870

Achtes Kapitel

Wilhelm Busch

Es war aber grade da zu Land Die Dorfschulmeisterstelle vakant, Und hat darüber die Disposition Der gnädige Herr als Schutzpatron.

Aus Dankbarkeit auf höchsten Beschluß Kriegt diese Stelle Hieronymus. – So hat er nun die Schulmeisterei Und sieht, was hierbei zu machen sei.

Zuvörderst findet er in der Fibel Manche veraltete Mängel und Übel; Wie er dann gleich mit Schrecken sah, Daß das ff und ph nicht da. –

Auch scheint ihm gar nicht wohlgetan Der abgemalete Gockelhahn. – Er streichet ihm hinweg zuvoren Die überflüssigen Reitersporen.

Er füget ihm aber dagegen bei Ein Nest mit eingelegtem Ei; Damit man sehe, daß eigentlich dies Der Segen und Nutzen des Federviehs.

Nachdem er also die Lehre verbessert, Bedenkt er, wie man die Strafe vergrößert. Nämlich im Schulvermögen war Ein Eselskopf als Inventar.

Hieronymus, zu größerer Schand und Graus, Macht einen ganzen Esel daraus. – Die Bauern aber murren sehr Über die neu erfundene Lehr.

Sie taten sich hoch und heilig vereiden, Sie wollten und wollten dieses nicht leiden Und wollten den neuen Meister der Schule Herunterstoßen von seinem Stuhle.

Eines Morgens in aller Früh Wohl ausgerüstet marschieren sie. Hieronymus schlummert noch sanft und gut, Da tönet die Stimme: „Kum man mal rut!“

Alsbald so fühlt er sich fortgeschoben, Schwupp da! – Er wird seines Amtes enthoben. Die Bauern, geschmückt mit vielen Trophä'n, Machen ein großes Siegesgetön.

Sie füllen die Gläser und stoßen an: „Prost, vivat! Düt hett gude gan!“ Als aber vorüber das erste Feuer, Ist manchem doch nicht so recht geheuer.

Ja, wenn der gnädige Herr nicht wär! Der gnädige Herr, was sagt aber der?? „Mal fünfundzwanzig! Nach altem Brauch!“ Richtig geraten! – So kommt es auch. –

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