Skip to content
1870

Abschreckendes Beispiel

Wilhelm Busch

Knopp begibt sich eilig fort Bis zum höchsten Bergesort. Hier in öder Felsenritzen Sieht er einen Klausner sitzen.

Dieser Klausner, alt und greis, Tritt aus seinem Steingehäus. Und aus Knoppen seiner Tasche Hebt er ernst die Wanderflasche.

„Ich“ – so spricht er – „heiße Krökel Und die Welt ist mir zum Ekel. Alles ist mir einerlei. Mit Verlaub! Ich bin so frei.

Oh, ihr Bürsten, oh, ihr Kämme, Taschentücher, Badeschwämme, Seife und Pomadebüchse, Strümpfe, Stiefel, Stiefelwichse,

Hemd und Hose, alles gleich, Krökel, der verachtet euch. Mir ist alles einerlei. Mit Verlaub, ich bin so frei.

Oh, ihr Mädchen, oh, ihr Weiber, Arme, Beine, Köpfe, Leiber, Augen mit den Feuerblicken, Finger, welche zärtlich zwicken

Und was sonst für dummes Zeug – Krökel, der verachtet euch. Mir ist alles einerlei. Mit Verlaub, ich bin so frei.

Nur die eine, himmlisch Reine, Mit dem goldnen Heilgenscheine Ehre, liebe, bet ich an; Dich, die keiner kriegen kann,

Dich du süße, ei ja ja, Heil'ge Emmerenzia. Sonst ist alles einerlei. Mit Verlaub, ich bin so frei.“

Hiermit senkt der Eremit Sich nach hinten. – Knopp entflieht. Knopp der denkt sich: dieser Krökel Ist ja doch ein rechter Ekel;

Und die Liebe per Distanz, Kurz gesagt, mißfällt mir ganz. Schnell verlassend diesen Ort Eilet er nach Hause fort.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Abschreckendes Beispiel · Wilhelm Busch · Poetry Cove