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1680–1747

Zum Winter.

Barthold Heinrich Brockes

Um mich anitzt der weissen Welt, so wie zur Sommer-Zeit der grünen, Zu GOttes Ehr’, und meiner Lust, mit Ueberlegung zu bedienen;

Fuhr ich im Schlitten auf das Feld, um, wie sich viele Oerter schmücken, Mit noch vermehrter Lust, Betrachtung, und mit Bewun- drung, zu erblicken.

Die Bäume schienen, daß sie uns von Bäumen nur allein die Schatten, In dünnen und durchsicht’gen Zweigen, die dunkel, hin- terlassen hatten.

Es siehet itzo wirklich kaum Ein blätterloser brauner Baum Belaubten grünen Bäumen gleich. Sieht man, da es geschneit, nun zwischen

Dergleichen braunen Schatten-Büschen Bald hie, bald dort von Scheun- und Hütten beschneite weisse Dächer liegen; So ist dadurch, nicht ohn’ Vergnügen,

Der Schnee noch eins so weiß, noch eins so schön, Jm braunen Gegensatz, zu sehn. Die Aecker scheinen itzt gefrorne kleine Wellen, In Tief- und Höhen, vorzustellen.

Wovon jedoch nicht so, wie auf der Fluht, Der Schaum sich auf der Höhe zeiget, Als welche braun. Der Schnee, der Luft-Schaum, ruht Nur da, wo sich die Furche neiget.

Durch dieß Gemisch von Dunkelheit und Licht, Wodurch des Schnees weisser Schein, Der sonsten allgemein, In einer Art von Dämmerung sich bricht,

Legt dem betrachtenden Gesicht Ein nicht unangenehmes Grau, Jm weissen Schimmer, sich zur Schau, In welchen sich die langen weissen Graben,

Von Schnee gefüllt, in fast nicht abzusehnden Strichen, Als Rahmen, die dem Silber glichen, Symmetrisch eingefasset haben. Worauf bald hie, bald dort bestrahlten Eises Spitzen,

Als wären sie darauf durch Kunst gefasset, blitzen. Dieß alles siehet ein Gemüht, Das es mit Ueberlegung sieht, (indem, was nicht zu leugnen, ja

Die Farben wirklich da) Mit einem billigen Vergnügen, Weil Formen, Farben, Glanz und Licht, Zusammt dem es betrachtenden Gesicht,

Wenn man es recht erwegt, in unserm Leben Gewiß uns nicht umsonst gegeben. Man muß denn die verachtete Gestalten, Die uns der Schöpfer auch zur Winter-Zeit beschehrt,

Weil man in ihnen auch, in unsrer Lust, Jhn ehrt, Hinführo unsers Anblicks wehrt, Und ferner, wie bisher, nicht für verächtlich halten.

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