In diesem Walde saß ich jüngst zur schwühlen Mittags- Zeit im Schatten, In einer Laube, deren Zweige so dichte sich verschränket hatten,
Daß, durch der Blätter grüne Schilde, wie stark der Strahl der Sonne blitzt, Ich vor derselben schwühlen Gluht und gar zu strengem Licht beschützt,
Statt einer Unlust eine Lust, in angenehmer Kühlung, fühlte, Die unter den belaubten Zweigen und allenthalben um mich spielte.
Ich sah zu anfangs über mir der Laube schön geflochtnes Dach, Worauf der Sonnen Strahl zwar fiel, doch durch das dichte Laub nicht brach.
Da denn der zierlich- runde Bogen, und sein durchlauchtig- zartes Grün Als ein mit Fleiß gemachter Thron, als ein gewölbter Baldachin,
Von selbst gewachsenem Smaragd, der lieblich schimmerte, mir schien. Durch ihre Thüre sah ich nun in den bestrahlten Wald hinein,
Der überall erfüllet war von Schatten und vom Sonnen- schein. Von linder Wärm und sanfter Kühlung ein nicht unan- genehm Gewühl
Schien mit einander sich zu mischen, Durch einen temperirten Grad, das sanft gestreichelte Gefühl Von unserm Cörper zu erfrischen.
Dieß zier- und liebliche Gemenge, da bald das Licht, und bald der Schatten, Jm sanften Streit und holden Wechsel, die Oberhand und Vorzug hatten,
War allen Augen, doch am meisten den Augen, die bedacht- sam sehn, Ein angenehmer Gegenwurf. Unglaublich lieblich, wun- derschön,
Durchsichtig war hier das Gewebe der zarten Blätter, dunkel dort, Wodurch jedoch, bald hie, bald da, ein hell-erscheinend schnelles Licht,
Durch vieler Stellen Dunkelheit, noch desto mehr erhöhet, bricht. Es scheinet zwar in diesem holden, mit Laub und Kraut verwachs'nen Ort
In einer einfach- schönen Pracht der Blätter Schmuck, das Grün allein, Hier alle Stellen zu erfüllen, an allen Orten allgemein, Zwar schön, doch bloß nur grün zu seyn.
Jedoch in tausendfacher Aendrung, in ungezählter Pracht und Zier, Verschönert, mehret, mildert, stärket, und zeiget sich das Grün allhier.
Wenn hier der schnell-und rege Blick in eine dunkel- grüne Tiefe Mit einer holden Anmuht sank, und irrend hin und wieder liefe,
Fiel in der tiefen Dunkelheit ihm eine ganz erleuchtet, helle, Als wie ein’ grünlich- Goldgefärbt- vom Sonnen-Licht be- strahlte Stelle, Nicht anders, als ein grünes Feur und ein selbständig-
grünes Licht, Mir, der ich recht darüber stutzte, voll Glanz und Schim- mer ins Gesicht. Ein nicht so hell, auch nicht so dunkel Grün
Mit mehr gemildeter und sanfter Zier, Nicht minder angenehm, halb licht, halb schattigt schön, War mehr gemein, und überall zu seh’n. Die Schönheit dieses Orts gab mir Gelegenheit,
Die andern hier in diesem Wald Verschiedlich angelegter Lauben, verschiedne Zier- und Lieb- lichkeit, Verschiedne Vorwürf’ und Gestalt,
Noch insbesondre zu beschreiben, Damit auch denen, die, wie schön, Und lustig sie, selbst angesehn, Es alles länger noch möcht’ im Gedächtniß bleiben.
Cookies on Poetry Cove