Oft glaubt der Mensch, daß die Natur und er, zwey
eigne Wesen seyn,
Die, wo nicht gleich, doch wenigstens an Geist und Kräf-
ten überein,
Und mehrentheils zusammenstimmen. Doch nein! zuwei-
len glaubt er kaum,
Daß er nicht weit noch über sie mit seines Geistes Kräften
gehe,
Und daß sie (wie verschiedne Vorwürf’) ihm gänzlich
zu Gebohte stehe,
Er läßt, in der geschwollnen Meynung, ihr kaum an der
Regierung Raum.
Allein, wenn wir die Ordnung, Wirkung und ihre Hand-
lung überlegen,
Den bündigen Zusammenhang, ihr Thun, das nimmer
fehlt, erwegen;
So kommt der Mensch mit allem Wissen, und allen seinen
Werken mir
Nur als ein Werkzeug, das von GOtt für die Natur erle-
sen, für,
Das sie zu ihrem Zweck gebraucht, das grosse Ganze zu
erhalten
In der ihr von der ew’gen Weisheit gegebnen Ordnung,
Maaß und Ziel.
So fahr denn fort, o kluges Werkzeug, in deinem hie-
sigen Verwalten,
So viel, als dir gebühret, von dir zu halten, aber nicht
zu viel!