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1680–1747

Winter-Vergnügen im Zimmer.

Barthold Heinrich Brockes

Wann draussen die erstarrte Welt Mit scharffem Frost, der dunckle Winter schrecket, Wenn schroffes Eis das harte Feld Mit rauhen Schollen drückt und decket;

Vergönnet mir des Schöpffers Güte, Daß, mit Bequemlichkeit und ruhigem Gemüthe, Ich ein vergnüglich Feur, in meinem Zimmer, Den wärmenden Camin mit Lust erleuchten seh.

Es steigt der regen Flammen Schimmer Roth, gelb und weiß zugleich, hell-lodernd in die Höh; Wovon durch jeden Sinn, der ihre Krafft verspüret, Ich Freuden-voll erquickt werd’ und gerühret.

Ich sehe die getheilten Spitzen, Um für den scharffen Frost mich gleichsam zu beschützen Mit reger Aemsigkeit sich aufwerts schwingen. Ich fühle durch die starre Brust

Ein sanfftes Wohl, und eine laue Lust In meinen gantzen Cörper dringen, Und, was durch Kälte starr, erfrischen. Ich hör' ein muntres Rauschen, Zischen,

Ein durch die schnelle Loh erregtes Schallen, Mit offtmahls unterbrochnen Knallen, Der in dem Holtz verschränckt- und schnell befreyten Lufft, Wodurch, bald hier bald dort, gesprengte Funcken fliegen.

Ich rieche den gesunden Dufft Der fetten Fichten mit Vergnügen. Es schmeckt bey dieser Zeit das holde Kraut, der Thee, Den ich in grüner Farb’ in feinen Schälchen seh’,

Den kalten Lippen wol. Bald wärmt ein heisser Wein, Voll süsser Säurlichkeit und Lust, Hand, Mund und Magen. Man sieht mit Lust zu Tische tragen Castanien, die süsse Winter-Kost;

Und was der Anmuth mehr, die auch im strengen Frost Uns unser GOTT, der liebe Vater, schencket.

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