Als unlängst eine Winter Nacht, In welcher es, mit einer bittern Macht, Und hefftig druckender Gewalt, Auf Erden, in der Fluth, und in der Luft gefroren,
Mit ihrem Schatten sich verlohren; Erstaunt’ ich, als ich die recht schreckende Gestalt Der starren Welt, indem es starck gereifft, Und der gefrorne Dufft sich überall gehäufft,
In einem wilden Glantz’ erblickte. Ein blendend Weiß bedeckt’ der Berg’ und Häuser Ein rauher Schimmer füllt’, ümgabe, drückt’ und schmückte Der starren Bäume Wipfel.
Man sah, nicht sonder Lust, doch auch nicht sonder Schrecken, Derselben Stämm’ und Zweig’ in weissen Rinden stecken, Und diese eingehüllt durch ein so rauhes Mooß, Daß ieder Wipfel, nicht wie sonsten, Blätter-los,
Und ihres Schmucks entblösst schien, und beraubet; Sie liessen dick, und recht als wären sie belaubet. Kaum sah man hie und dort, durch sie, die düstre Lufft, Die, schwartz durch den verdickten Dufft,
Den Horizont fast gantz bedeckte, Und worin eigentlich der Grimm des Frostes steckte. Indem ich dieses weiß mit schwartz vermischte Grau, Und in demselbigen fast sichtbarlich die Wuth
Der allversteinernden ergrimmten Kälte schau, Die wilde Rauhigkeit der Landschafft überlege, Die fremde Dämmerung von Weiß und Schwartz erwege; Brach durch dieselbige, voll dunckel-rother Glut,
Der Morgen-Sonnen Licht. Welch blitzend Feuer-Meer ergoß sich dazumahl, Befloß den luckern Reiff, fiel auf die glatten Spitzen! Was für ein reiner Glantz, welch angenehmes blitzen
Drang durch das Aug’ ins Hertz! das allerreinste Weiß, Das allerreinste Roth schien auf den starren Büschen, In einem süssen Glantz, der Leib-Farb, sich zu mischen. Ich sah’, als kleinen Staub, von reinen Berg-Cry-
Den hart- und klaren Reiff, bald hie, bald da, Jm rothen Sonnen-Strahl gemach herunter fallen, Und wunderwürdig lieblich spielen. Ich fand, wie ich die Theilchen recht besah,
Daß wircklich kleine Sternchen fielen; Indem recht ordentlich in sechs-geeckten Spitzen Die allermeisten schimmernd blitzen. Es fiel, bald an, bald durch des Reiffen zartes Eis
Der himmlische Rubin. Wer diese Schönheit nicht Mit Anmuth sieht, und Den nicht preiset, Der, auch zur Winters-Zeit, uns so viel Schönheit wei- Der handelt wider seine Pflicht.
Ich fühlte, vor so hellem Glantz und Licht, Fast die geringste Kälte nicht. Und fand mich wenigstens, dadurch gar sehr gerühret, Also zu dencken, angeführet:
„ich lobe Den, Der, auch im Frost, die Welt, Ein ieder freue sich demnach mit mir, Und dancke, wie für alles, auch dafür, Daß GOtt auch das, so bloß uns scheint zu kräncken,
Zum Guten dennoch weiß zu lencken: Und daß auch, wann die Welt uns recht zu schrecken scheinet, Er wunderbar so Nutz als Pracht in ihr vereinet.
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