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1680–1747

Wankelmuth und Unachtsamkeit der Menschen.

Barthold Heinrich Brockes

Wie oft und vielmal wünschten wir, Als uns der Winter alle Zier Der grünenden Natur beraubet, Das Kraut erstickt, die Bäum entlaubet;

Da Feld und Wald mit Schnee bedeckt; Da uns der rauhe Nordwind schreckt: Ach wenn der Frühling wiederkäme, Und die Beschwerde von uns nähme!

Ach wenn die Lüfte klar und rein, Erwärmt vom hellen Sonnenschein, Und lau, und sanft, und lieblich wären! Ach könnte man, in hellen Chören,

Die bunten Vögel wieder hören! Ach sähen wir die gelben Aehren So angenehm als ungemein, Bey sanfter Kühlung, lieblich wallen!

Ach möcht, in fliessenden Krystallen, Des grünen Ufers Wiederschein Zu sehen seyn! Wie wollten wir uns denn nicht freuen!

Wir wollten Lob und Dank erneuen. Jetzt seht und hört ihr alles das, Was ihr gewünscht. Es ist erschienen Die Zeit, die so erwünschte Zeit.

Die Welt ist voller Lieblichkeit; Es stehet jetzt, durch Laub und Gras, So Feld, als Wald, im holden Grünen. Es sind die Lüfte klar und rein,

Erwärmt, vom heitern Sonnenschein. Jhr könnet jetzt, in hellen Chören, Die bunten Vögel singen hören. Jhr sehet jetzt die gelben Aehren,

So angenehm als ungemein, Bey sanfter Kühlung, lieblich wallen. Jhr seht, in fliessenden Krystallen, Des grünen Ufers Wiederschein;

Wie? wollt ihr euch denn nicht erfreuen, Und Preis und Lob und Dank erneuen? Warum wollt ihr es nicht geniessen? Und lasset diesen Tag verfliessen,

Als wie den gestrigen? Warüm Vernehmt ihr nicht die Süßigkeiten, Der schönen Creaturen Stimm? Die euch in diesen schönen Zeiten,

Durch jeden Sinn, in vielen Chören Euch reizt, den Schöpfer zu verehren? Jhr seht unachtsam vor euch nieder; Man sieht an Minen und Gesicht,

Daß etwas euch ergetzet, nicht. Man hört nicht Dank-nicht Lobes-Lieder. Wie schnell verfliegt die schnelle Zeit! Wollt ihr mit eurer Lust denn warten,

Bis Wiesen, Feld, und Wald, und Garten Entlaubt, verwelket und beschneit? Um dann zu wünschen, was ihr itzt, Ohn daß ihr es erkennt, besitzt?

Damit, wenn ihr es wiederkrieget, Mit einem ungerührten Sinn, Jhr euch so wenig, wie vorhin, An aller Herrlichkeit vergnüget?

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