Erwege, lieber Mensch, es sind ja unsre Seelen
Von andrer Art, als Holtz und Stein;
Da, von des Schöpfers Creaturen
Recht wunder-wunderbare Spuren
In ihnen anzutreffen seyn.
Sprich nicht, daß das Gesicht der Thiere
Denselben Eindruck auch verspüre:
Denn, ob es, leider! wahr, daß sich zu dieser Zeit
In den Betrachtungen der Creaturen Pracht,
Die Menschheit, durch Unachtsamkeit,
So wie das Vieh, fast gäntzlich fühllos macht;
So daß es leider noch die Frage:
Ob ich mit grösserm Nechte sage,
Daß Menschen GOttes-Werck mit Hund-und Katzen-
Wie? oder daß die Hund’ und Katzen das, was schön,
Mit Menschen-Augen sehn?
Weil eine Blindheit ja der andern gleicht,
Und unsere der ihrigen nicht weicht;
So ist es doch in unsrer Macht,
In der Geschöpffe Wunder-Pracht,
Denjenigen, der sie hervorgebracht,
Zu schmecken, und zu sehn, zu fühlen und zu hören,
Auch Jhn, durch Gegen-Lieb, und frohen Danck, zu ehren;
Das jenen untersagt.
Ach laßt uns denn ie mehr und mehr
Des schwartzen Undancks Laster meiden!
Uns von den Thieren unterscheiden!
Und unsrer Seelen Eigenschaft,
Die ihr von GOTT verliehne Krafft,
Durch das betrachten und das dencken,
Auf GOTTES Creatur zu lencken,
Mit froher Andacht, uns bestreben!
Um GOTT dadurch, was GOTTES ist, zu geben.
Und zwar üm so viel mehr, als wir
In der Geschöpf’, allein durch Jhn gewirckten Zier,
Wenn wir sie mit Vernunft ergründen,
Den grossen Schöpfer selber finden.