Wie jüngst, im späten Februar, Die Winde still, das Wetter lieblich war, Bing ich, mit aufgeräumtem Sinn, Nach meinem Vorwerk, um zu sehn
Die Dinge, die daselbst, zur Winters-Zeit, geschehn, Nebst meinen Kindern, hin. Da wir denn unterwegs, und eh wir nahe kamen, bereits, mit Lust, in nett getheilter Zeit,
In unzertrennt- und fester Richtigkeit, Der regen Drescher Tact vernahmen. Der, ob sich gleich zum Ton kein süsser Wechsel fügte, uns dennoch ungemein vergnügte.
Zumahl wir unsern Schritt zum Vorwerk selber kehrten, da wir sie dreschen sahn und hörten. Ich dachte der Music ein wenig weiter nach, und fand, daß, bey dem richtigen Tactiren,
und ordentlichen Musiciren, Nur bloß der Text gebrach. Daher ich, bey dem abgemeßnen Klang, ihr nützlich Werk, wie folgt, besang:
“bemüht euch, mit wichtigen, richtigen Schlägen „die springende Körner, den himmlischen Segen, „jhr Drescher, aus ihren Behältern zu bringen! „wir wollen den gütigen Geber besingen!
„auf, laßt uns den trocknen und fruchtbaren Regen, „den euer Bewegen erreget, erwegen! „es ist von den hüpfenden Früchten der Aehren „ein zischend- und raschelndes Rauschen zu hören.
„es zeigt uns das hurtige Schwingen und Klopfen „zu nährenden Körnern gewordene Tropfen. „die Tropfen des Regens, an ihnen beklieben, „durch Wärme der Sonnen in Aehren getrieben,
„sind, da sie die Körner getränkt und ernähret, „o Wunder! in nährende Körner verkehret. „es liefert uns euer geschäftig Betragen, „das hurtige Schwingen, das kräftige Schlagen,
„die Schätze, wornach uns so lange verlanget, „mit welchen bishero die Felder gepranget, „die nöhtigsten, nützlichsten, edelsten Gaben, „womit wir uns nähren, erhalten und laben.
„auf, laßt uns dem Geber uns dankbar erweisen! „auf, laßt uns, in unserm Bewundern, Jhn preisen! „auf, lasset Sein liebreich- und weises Regieren, „jm frohen Geniessen, zur Andacht uns führen!
„auf, laßt uns Sein’ Allmacht, als Menschen, ermessen! „so können wir hoffen, mit Gühtern der Erden „auch künftig und öfters gesegnet zu werden. Nachhero liessen wir ihr ferneres Betragen
Mit dem gedroschnen Korn uns nach der Reihe sagen. Da ich denn fast erschrack, daß so gar vielerley, An Werkzeug und an Müh, hiezu noch nöhtig sey. Denn, ausser
fangs anzulegen, Und daß, wenn zweymahl zugedroschen, die abzureissen pflegen; Wird es mit
zugeschlagen, Denn mit den Gaffeln aufgeschüttelt, wodurch der Körner Ueberrest Sich vollend aus den Aehren bringen und zu den andern
fügen läßt. Das leere Stroh bleibt für das Vieh, und wird demselben vorgetragen. Hierauf ergreifen sie die
zu Hauf, Was auf der Diehl’ gedroschen liegt, und schlagen denn von neuem drauf, Beym Gersten nehmlich, um die Spitzen von ihren Kör-
nern abzutrennen, So denn mit wenig Müh’ geschicht, und welches Werk sie Baaken nennen. Denn wird die Harke rechts gekehrt, und umgeharket.
Dann der Besen (der von besonderer Figur, wozu ein lauges Kraut erlesen, Und welchen man den und her gedreht,
Dadurch wird die zu grobe Spreu davon gestäubet, weg- geweht. Dann schiebt man es auf einen Haufen, und kehrt die ganze Tenne rein,
Ergreifet eine kleine Schaufel, und worfelt alles, kann es seyn Dahin, woher der Wind entsteht, da alle Körner, welche schwehr,
Durch ihnen eingedrückte Kraft des Werfens, denn am weitsten fliegen; Die leichtern aber, und die Spreu, die von verbundnen Theilen leer,
Durch ihnen widerstehnde Luft gehindert, bleiben nahe liegen. Wodurch, da ich dies überdachte, ich in demselben Au- genblick Mein forschend Denken weiter triebe, noch mehr zu denken
Anlaß nahm, Und von der Schwer’ in der Natur auf eine neue Probe kam, Daß nemlich auf dieselbe Art erweislich, wie aus einem
Stück Ein schwehrer Eisen weiter fliegt, als wie ein anders, welches klein. Ja daß, nach eben dem Gesetz in der Natur, auch unsre
Erde, Die grösser, als Mercur und Venus, um unsre Sonnen- Gluht und Schein, In einem mehr entfernten Cirkel, gehalten und gedrehet
werde. Nachher wird das Getrayde denn aufs neu auf einen Haufen bracht, Und durch ein neues Instrument, die Harpe, die aus
Draht gemacht, (worüber man es laufen läßt) von Spreu geschieden und gesichtet, Darauf gemessen, und in Säcken gegossen. Hiemit ist
verrichtet Das grosse Wunder-volle Werk, wodurch der Schöpfer auf der Welt Das ganze menschliche Geschlecht, ja auch so gar das
Vieh erhält. Ist auf der gauzen Welt ein Werk mehr Dankens und Betrachtung wehrt, Worinn mehr Nutzen und mehr Segen? Sprecht selbst,
geliebte Menschen, sprecht! Hängt euer Leben nicht daran? Thut ihr denn wohl? Ist es denn recht, Daß man, für solch ein heilsam Wunder des Schöpfers, nicht
den Schöpfer ehrt? Daß, wenn wir den von Seiner Gunst so oft, so oft erbetnen Segen Nun wirklich auf den Boden schütten, wir weiter nichts
davon erwegen, Als nur ein frostiges GOtt-Lob, das gleichsam auf den Lip- pen friert, Und wobey man noch meistens gar ein bitter Denken heimlich
spührt: Daß, wär auch gleich der Boden voll von reinem Korn, ein wenig mehr Von Rocken und zumahl von Weizen dennoch ein wenig
besser wär. Wahrhaftig es beschämen uns in diesem Stücke ja die Heyden Durch ihre, den vermeynten Gebern so schöner Frucht,
geweihte Freuden. Vermeynt man denn im Christenthum die Pflicht, zu danken und zu loben Den grossen Geber alles Guten, sey durch den Glauben auf-
gehoben. Hierauf besahen wir das Horn-Vieh mit Vergnügen, Das uns zur linken Hand, In einer langen Reih’, in netter Ordnung stand.
Wir fanden es theils stehn, theils liegen, Theils käu’n, theils wiederkäu’n. Ein emsiges Bewegen Des glatten Mauls, der Ohren sanftes Regen, Wobey sie dann und wann die schlanken Zungen
Zu beyden Seiten schwungen, War nur allein, sonst nichts bewegliches an ihnen (indem sie all’ in recht zufriedner Ruh, Und einer sanften Stille schienen)
Zu spühren und zu sehn. Wir sahen ihnen zu, Durch ihre Stille selbst zur Stille mit bewogen, Wie sie das dürre Stroh begierig zu sich zogen. Wir sahen sie die langen Halmen
Mit regen Kiefern sanft zermalmen. Das rauschende Gezisch, das knarschende Getön, Mit welchem sie die dürre Kost verzehren, War ja so angenehm zu hören,
Als ihre Stellungen zu sehn. Inzwischen kam, vor andern, mir Jhr Futter sehr beträchtlich für. Das leer’ und dürre Stroh, dem Schein nach sonder Saft,
Hat in den leer- und trocknen Röhren, O Wunder! dennoch so viel Kraft, So grosse Thiere zu ernähren, Ja ihre Frucht zugleich, und überdem
Die süsse Milch, die uns so angenehm, In Ueberfluß uns zu gewähren. Noch mehr, es wird ein Theil vom Stroh zu Mist, Der wiederum zum Feld-Bau nöhtig ist.
Es kam mir dannenher ein solches Thier Als ein lebend’ger Wage für, Der Düngung auf die Felder führet. Ja, sie sind gleichsam anzusehn,
Als unsre Küchen, welche gehn, Als Kolben, worinn sich die Milch selbst distillirt. Ich ward recht inniglich gerührt Durch die recht Wunder-volle Weise,
Wodurch, in einem steten Kreise, Der unsern Unterhalt gebiert, Sich Stroh in Mist, in Stroh, Mist circulirt, Und im beständ’gen Wechsel ginge.
Anbehtungswürdiger Regierer aller Dinge! Wie zeigt, da alles dieß so ordentlich, In unverrücktem Gang und Ordnung, gehet, Dich Und Deine weise Macht! fing ich, mit Ehrfurcht, an.
Wer ist, der dieses fassen kann? Jedoch muß unser Unvermögen Es zu begreifen uns nicht an dem Vorsatz hindern, Noch unsre Schuldigkeit vermindern,
Es, GOtt zum Ruhm, zu überlegen, Weil wir durch nichts uns selbst in Gott erhöhn, Als wenn wir Seiner Herrlichkeiten Nicht zu ergründende Vollkommenheiten
In den, durch seine Macht, gewirkten Werken sehn. Was muß es nicht, wenn man dieß überdenket, Für eine fremd’ und sonderliche Kraft, Für ein Vermögen seyn, und für ein’ Eigenschaft,
Die in der Thiere Leib- und Cörper eingesenket, Daß aus so trocknem Stoff, als wie das Stroh, sie können, Durch ihres Magens Saft, durch ihrer Drüsen Menge, Durch so viel seltsamer geformten Därmer Gänge,
Die Theilgen von einander trennen, Sie mischen, durch einander schlingen, Und jedes eigentlich an solche Oerter bringen, Woselbst sie nöhtig sind zu unserem Genuß.
Daß sie den unbrauchbar- und groben Ueberfluß Auf eine Weise von sich treiben, Daß nur die nöhtigen bey ihnen bleiben Zu ihrem, ihrer Frucht und unserm Nutzen auch.
Daß der verworfne Mist zum nöhtigen Gebrauch, Die Aecker wiederum zu nähren, Um ihnen neue Kost beständig zu gewehren, So heilsam dienen muß. Daß uns dazu die Hand,
Das Werkzeug, welches wohl recht zu bewundern wehrt, Ja, daß insonderheit noch der Verstand, Der alles überlegt und ordnet, uns beschehrt. Die Weis’, auf welche Art nun alles dieß geschicht,
Begreift gewiß der Geist des Menschen nicht. Es ist daran auch nichts gelegen: Wenn wir nur so viel thun, und dankbarlich erwegen, Daß in der Thiere Reich so wohl für uns ein Segen
Von einem Als daß man auch zugleich ein helles So aus dem grossen Werk, mit vollen Strahlen, bricht, Zu unsers Schöpfers Preis und Ruhm, darinn entdeckt,
Nicht minder eine In Ehrfurcht-voller Lust bewundert und erhöht. Es muß Bewunderung, nebst Lust und Dank, allein Für so viel Guts, mit Recht, der Menschen Opfer seyn.
Ach, so bestrebt euch doch auf Erden Empfind-erkenntlicher und dankbarer zu werden! Zu diesem nützlichen Geschäfte Gebrauchet eurer Seelen Kräfte,
Und nicht nur bloß die Gründe zu erfinden, Wie alles dieß geschicht, nicht alles zu ergründen, Wie GOttes Weisheit wirkt, Weil dieses mehrentheils aus Hochmuht bloß geschicht.
Es wird ja unsre Kraft des Geistes und sein Licht Durch seinen Kraft-Kreis so bezirkt, Daß, wenn er redlich denkt, er überzeuglich findet: Die Gottheit werde nur bewundert, nicht ergründet.
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