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1680–1747

Von GOTT.

Barthold Heinrich Brockes

Wer hätt’ in uns von JHM ein Denck-Mahl stifften Und woher hat es kommen können? Hätt ER in unsern Geist, der von so engen Schrancken, Vom

Unendlichen, Vollkommenen, Nicht selbst geleget die Gedancken, Worauf ein Mensch sonst nimmermehr gedacht. Denn es sey fern, zu dencken, daß die Pracht

Des Allerherrlichsten, indem es uns sich zeiget Als wie gefügt, geschmückt, vereinet und vermehrt, Von dem, was lange nicht zu solcher Höhe steiget, Dadurch abhängig sey gemacht.

Last uns im Gegentheil ganz fest versichert gläuben, Es habe die Jdee der Vollenkommenheit Die allerwahrste Würcklichkeit, Wovon der mindern nur umschränckte Züge bleiben.

Dieweil der Mensch nur elend ist und thörlich, Macht er ja keinen GOTT Die Züge, so von JHM in unsern Seelen stehn, Die haben wir nicht anders anzusehn

Als eine wesentliche Wahrheit. Daß unser Geist sein’ eigne Schwachheit kennt, Und sich nicht frey vom Jrrthum nennt; Kommt bloß daher,

Daß er in GOTT erkennt der ew’gen Weißheit Meer; Woraus die würckliche Jdee In ihn gegossen war. Nach diesem Muster seh Ich meine grob’ umschränckt’ und schwächliche Natur.

Bey der Vollkommenheit kennt man die Mängel nur. Wofern kein würcklichs Gut; wär dessen Mangel nimmer. Es giebt sonst keine Finsternissen, Als wenn wir nichts von Lichtes Schimmer

Und seinen hellen Strahlen wissen.

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