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1680–1747

Von den Farben.

Barthold Heinrich Brockes

Der bunten Farben Glantz, so wol beblühmter Auen, Die unsern Blick mit ihren Schmeltz erfreuen, Als auch der Schilder-und Tapezereyen, Die unserem Gesicht die kluge Kunst lässt schauen,

Hat um den Unterscheid der Farben, so sie zieren, In Mischungen, die so verschieden, zu formiren; Nichts, als der Fläche Tieff’ und Höh’n Aus denen sie gewebt sind und bestehn,

Durch welche sie in unsern Augen So viel Bewegungen zu würcken taugen. Man nenne, wie man wil, die Farben von Natur, Man nenne sie durch Kunst gemacht,

Es schwinde bald, es dau’re ihre Pracht, Dieselbe Würckung bringt derselben Schmuck und Zier Allein herfür. Der Jris Farben selbst, die nur so kurtze Zeit

In ihren Schimmer stehn, Sind nicht allein so schön, Sie sind auch in der That von gleicher Würcklichkeit, Als wie der Farben Schein,

Der Cörper, die beständig seyn. Der Glantz von Bildern, die gemahlet Ist gar nicht künstlicher, Als eben der,

Der in Rubinen strahlet, Den man natürlich nennt. Das Licht allein Ist alles. Der Natur Manier ist einerley Mit welcher sie formirt so manche Schilderey.

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