Skip to content
1680–1747

Von dem Sitz der Sinnlichkeiten.

Barthold Heinrich Brockes

Ein Beyspiel zeiget uns, daß dies die Wahrheit sey: Wenn sich in jeden Aug’ ein Gegenwurf formiret, Wie kommt es denn, daß man nur eine Schilderey Von selben Gegenwurff in unserm Hirn verspüret?

Wenn man nun diesen Bau, der wol recht wunderbar, Von innen nahe sieht; wird die Erfahrung klar. Jm Haupte sieht man Fern-und Spiegel-Gläser sitzen, Durch unsre Augen dringt des Lichtes schnelles Blitzen.

Ins Auges Apffel wird erblickt, Wie sich in jeglichem ein kleines Bildniß drückt. Allein hier muß man nicht verbleiben, Indem der Eindruck noch viel tieffer geht.

Lasst uns bis in den Grund des Hirns das Dencken treiben, Wo des Gesichtes Nervgen steht. Da, wo aus beyden Augen sich Verbindungs-Fäden schnell begegnen und berühren,

Wird man vom Vorwurff sichtbarlich Nur eine Schilderey verspüren. Also vereinen sich die Ohren-Nerven auch. Der Zungen und der Nas’ und die, so zum Gebrauch

Des Fühlens zugericht’t und unsern Leib durchgehen, Die können wir für sich auch also würcken sehen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Von dem Sitz der Sinnlichkeiten. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove