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1680–1747

Von dem Sitz der Sinnlichkeiten.

Barthold Heinrich Brockes

Sind unsre Träume nun ein gar zu schwach Exempel Zu zeigen, daß der Leib nichts hat, als das Bewegen, Und daß die Seele blos der Sinnen Sitz und Tempel; So lasset uns bedachtsam überlegen

Die Dinge, so in uns des Fiebers Gluht erregen. Lasst uns die Vorwürff’ einst, die sie uns weiset, sehn, Wenn unser Haupt durch sie erhitzte Dünste füllen: Man seh’ gewaltsame Vergehungen entstehn,

Von Wahnwitz, Raserey, auch von der Schwärmer Grillen, Wann von dem aufgebrachten Blut Das voller wilden Hitz und Gluht, Die schnellen Trieb’ ins Hirn verwirrte Geister treiben,

Die sich an des Gesichts so zarte Nerven reiben. Welch Schreck-Gespenster-Heer nimmt uns die Sinnen ein, Das uns noch stärcker rührt, Als Sachen, die man leiblich spürt,

Und würcklich gegenwärtig seyn.

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