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1680–1747

Von dem Gesicht.

Barthold Heinrich Brockes

Mit Unrecht wil man uns die Bilder, die wir spüren, Aus eitlem Larven-Werck, ans Gattungen formiren, Die gantz unmöglich sind. Genung ist, daß das Licht Mit unterschiedenen Beweglichkeiten,

Die uns verschiedenes Empfinden zubereiten, In unsers Auges Grund mit stetem Wechsel bricht. Es drucken sich mit diesem Schein, So manche Cörper, die an allen Orten seyn,

In solchen kleinen Raum uns ihre Bilder ein. Je näher nun solch Bildniß uns berühret; Je grösser wird es auch von uns verspüret: Je mehr wir ihre Züg entfernet von uns sehn;

Je mehr verkleinert sich dies Mahlwerck unsern Augen: Je weiter daß die Cörper von uns gehn, Je minder können auch die äusern Flächen taugen, Ins Auge sonst, als bloß mit spitzen Ecken,

Sich zu erstrecken, Und lassen folglich allgemach Stets mehr verwirrt und schwach. Durch gar zu grosse Weit’ entfernet sich das Licht,

So, daß die Kleinheit dann wird als ein Punct gespüret, Die sich sodann verlieret, Und unser Auge sieht sie nicht.

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