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1680–1747

Vom Geist und Cörper

Barthold Heinrich Brockes

Es irret unser Geist nicht wenig bey den Sinnen. Sollt’ er die Cörper, die ihn rühren, Wol anders kennen und verspüren, Als nur dadurch: Er denckt von innen?

Selbst unser Leib wird durch die Seel erkannt. Sie sieht in seinen Theil und Zügen Ein wunderbares Werck: Sie spürt, wenn sie erweg’t, Wie mannichfach in ihm sich Elementen fügen,

Welch zartes Kunst-Werck sich in ihm beständig reg’t, Wodurch er fühlet und empfindet. Sie sieht, daß er es sey, der durch so manches Band Uns gantz mit der Natur verbindet.

Es dient zur Sinnlichkeit sein wunderbar Gebäude. Wir mercken die in ihm verborg’nen Näder wol: Wir lieben ihn, er macht uns Freude: Wir wollen, daß er dauren soll;

Wir nennen eigentlich ihn unsern Leib; man spricht: Die Hand, der Arm ist mein, auch das Gesicht. Ich merck’, ich werde selbst gerühret Durch Aend’rungen, die er verspüret.

Offt fühl’ ich, daß er meinen Willen Geneigt ist zu erfüllen. Offt herrschet er, offt der Verstand, Und durch ein recht geheimes Band

Wird, wann den einen etwas reget, Zugleich der andere stets mit beweget.

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