Bey aufgeklärter Luft, im warmen Sonnen-Strahl, Spricht mancher Mensch noch wol einmahl: Heut ist das Wetter schön! Kaum aber hat er dieß gesprochen,
Wird seine Red’ und Lust gleich abgebrochen. Er läßt den gantzen Tag vergehn, Ohn an desselben Pracht und an der Sonnen Schätzen Sich im geringsten zu ergetzen,
Und sie gerühret anzusehn; Da, wenn wir recht vernünftig handeln wollten, Wir billig überlegen sollten, Daß ja ein schöner Tag, aus vielen Viertel-Stunden,
Noch mehr Minuten und Secunden, In seiner Pracht besteht, Daß jeder Augenblick, wenn man es nur bedenckt, Uns eine neue Lust und solche Freude schenckt,
Die uns ein gantzer Tag Der ungefühlt verstreicht zu geben nicht vermag. Wir theilen sonst die Zeit Durch Uhren ein:
Warum wird doch der Anmuth Flüchtigkeit Durch Theile nicht gehemmt? Ach würde, GOtt zu Ehren, Auch unsre Lust zugleich dadurch zu mehren, Bey schönem Wetter doch zum öftern überdacht:
Aufs neu' hab ich ein Theil von meinem Leben, Das mir der Schöpfer hat gegeben, Jm schönen Sonnen-Licht, GOTT Lob! ver- gnügt verbracht: Hiedurch kann uns ein schöner Tag auf Erden,
Den wir, da man an ihn so kurtze Zeit gedacht, Fast zur Minute nur bißher gemacht, Zu vielen schönen Tagen werden. Weil eigentlich durchs Dencken blos allein
Wir im Besitz vom Guten seyn.
Cookies on Poetry Cove