Die Poesie ist eine Kunst, das Wesen der Natur zu
schildern,
Indem sie unserm Geist die Farben von Körpern,
Formen und von Bildern,
Den Körpern die Lebhaftigkeit zusammt dem Feur des
Geistes, giebt.
Was Wunder, daß die Menschheit stets, ja die Barba-
ren, sie geliebt!
Sie weis der zwo beliebtsten Künste, der Tonkunst und
der Mahlerey
Vortrefflichkeiten zu vereinen. Sie ahmt des Pinsels
Zauberschlag
In ihren Bildern, und dabey
In ihrem Wohllaut der Musik beliebt- und süßen Tönen nach.
Nun ist dem Menschen der Geschmack zur Mahlerey und
süßen Chören
Natürlich, und so gut als wie die Kraft zu sehen und zu hören,
So daß es fast unmöglich ist, daß uns, mit Ohren und
mit Augen,
Ein Klang, ein wohlgeformtes Bild, nicht sollte zu ver-
gnügen taugen.
Es ist demnach erlaubt zu schließen,
Daß unser Geist, vom süßen Eindruck des Hörens und
des Sehns gerührt,
Die holde Kunst der Poesie nothwendig hab erfinden müssen,
Da man ein’ Art von Mahlerey und von Musik in ihr
verspürt,
Daher entsteht für alle Menschen ein allgemeiner Reiz.
Ein jeder
Liebt Verse, Mahlerey und Lieder.