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1680–1747

Sonnen-Lehre.

Barthold Heinrich Brockes

Quell des Lichts und aller Wonne! ”Lebens Ursprung! helle Sonne! „du läß’t alles, was auf Erden, „warm und licht und fruchtbar werden; „sollte denn dein Lebens-Schein

„nicht die wahre GOttheit Es würd’ ein Perser so zu sprechen Sich nicht entbrechen. Allein die Sonne selbst, indem sie uns verläßt,

Zeigt, daß sie solchen Ruhm nicht könn’ ertragen. Sie setzet diese Wahrheit fest, Ja scheinet, wenn sie weicht, uns gleichsam dieß zu sagen: Laß, liebster Mensch, doch meine Pracht und Zier,

So wie dein leiblich Auge, dir Nicht auch dein Seelen Auge blenden! Wär’ ich ein GOtt; wie könnte sich Mein Glantz entfernen, und ich mich,

Gehemmt von etwas, weg- und abwärts wenden, Allein, wilt du die GOttheit sehn, Und seine Grösse kennen lernen; So kann es zwar durch mich geschehn,

Doch muß ich mich so dann entfernen. Jhr alle könnt durch mich, in seinen Creaturen, Vom grossen Schöpfer, helle Spuren; Doch ohne mich von ihm noch grössre, sehn.

So bald durch eurer Erde drehn, Jhr mich verliert, und ich für euch verschwunden; So wird ins Luft-Raums tieffem Meer Ein unzuzehlend Sonnen-Heer,

An meiner statt, von euch gefunden, Von welchen ihr, sollt’ ich mit meinem Schein Bey euch stets gegenwärtig seyn, Und immer bey euch leuchten müssen,

Nicht das Geringste würdet wissen. Hier schwindet meiner GOttheit Glantz, Bey Millionen Sonnen gantz. Die wahre GOttheit zeiget sich

In dieser Schaar hingegen sichtbarlich. In keinen würdigern Jdeen, Kann euer Geist ein Bild der wahren GOttheit sehen, Als in dem ew’gen Geist, der eine solche Zahl,

Die nicht zu zehlen ist, von Sonnen schaft, regieret Und noch ein grösser Heer von Welten um sie führet. So deucht mich daß, zu ihres Schöpfers Ehre, Ich, wenn sie untergeht, die Sonne reden höre.

Ach, laßt uns ihre Red’ uns ins Gedächtnis prägen, Und, wenn wir in der Nacht der Sterne Schaaren sehn, Den HErrn der Schaaren doch erhöhn, Und, wenn wir unsern Blick ins Himmels Tieffe sencken,

Voll Ehrfurcht, Lust und Andacht dencken: Es zeiget uns das Sonnen-Licht Den Schöpfer herrlich; doch noch nicht So herrlich, als wenn wir den Glantz von seinen

Am Firmament im Duncklen mercken. O Wunder! daß so gar die dicken Finsternissen Den HErrn des Lichts verherrlichen, erhöhn, Und seiner Wunder Größ’ am hellsten zeigen müssen;

Der Tag läß’t eine Sonn, die Nacht viel tausend

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