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1680–1747

Rothe Glas-Scheibe.

Barthold Heinrich Brockes

Wann mein ausgeklärter Blick über grüne Wiesen schiesset, Welche mit belaubten Bäumen hin und wieder ausge- Sonderlich, wann ihre Schönheit von der Sonnen ange- Und das durch derselben Pracht ein sich schlängelnd Bächlein

Das den himmlischen Saphir, hin und wieder schön ver- Durch der Wolcken Gegen-Schlag, als im glatten Spiegel, Scheints, daß sich der Erden Pracht mit der Himmels-Pracht Diese Schönheit stellt sich mir

Als ein herrliches Spectackel, und als einen Schau-Platz, für, Welcher von des Schöpfers Hand, auf uns unbekannte Uns zur Anmuth, Jhm zum Preise, Wunderbarlich vorgestellt.

Als ich jüngst mich dergestalt an der schönen Welt Und, zu meiner Augen-Lust, ein Sah’ ich dieser Landschafft Pracht, durch ein rothes Scheibgen Mit Erstaunen, mit Vergnügen, aber halb mit Schrecken, an.

Alles Grüne war dahin, roth war alles Laub und Gras, Hügel, Thäler, Wasser, Wälder, Aecker, Häuser, Gärten, Felder. Himmel, Wolcken, Thier’ und Menschen, alle Vorwürff’, die

Fern und nah, Waren alle, wie Rubinen, feurig, doch nicht minder schön, Als vorhero, anzusehn. Ob mich die Verändrung nun gleich im Anfang sehr ergetzte,

Und, für lieblicher Verwirrung, gleichsam aus mir selber Fiel mir dennoch, voll Erstaunen, mitten in der Freude, bey, Wie dieß eine grosse Probe irdscher Ungewißheit sey.

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