Der Jdee vom Natur-Buch dacht ich neulich bey mir nach, Bis mich deucht, daß die Natur selber folgends mit mir Jhr verstehet eure Wörter, und ihr könnet Schriften lesen, Meynt ihr denn, daß ihr allein Wörter habt, und Schriften kennet,
Da ihr doch derselben Zeichen bloß allein durch mich benennet? Es sind meine Red-und Schriften immer in der Welt gewesen. Nehmt mein A B C zur Hand, das sind Körper und Figuren, Von so mancherley verhandnen ungezählten Creaturen.
Berge, Bäume, Thier u. Kräuter, samt dem Meer u. denen Sternen, Sind so laut, als stumme Lettern. Aber ihr müßt lesen lernen. Euer Lesen lernet ihr, und gewiß nicht sonder Müh; Ist denn meine Schrift nicht werth, euch mit etwas Ernst, um sie
Zu begreifen, zu bequemen, Und, des großen Inhalts halber, etwas Müh zu übernehmen? Meine Lettern können euch unvernehmlicher nicht scheinen, Als wenn ihr Arabiens krummgezogne Schriften seht,
Da ihr doch, durch etwas Müh, ihren Inhalt bald versteht, Und ihr dürfet, daß die meinen ganz unlesbar sind, nicht meynen. Ja, gesetzt, ihr könnet nicht ihren Inhalt bald ergründen: Werdet ihr schon Weisheit gnug fast in jeder Letter finden.
Jeder Buchstab ist ein Buch, welches voller weisen Lehren, Jeder Körper eine Schrift, welche, zu des Schöpfers Ehren, Macht und Lieb und Weisheit weist. Fange doch nun jedermann, In dem großen Buch der Welt, erst zu zu buchstabiren an.
Machet ihr euch hier geschickt, fertig nur zu buchstabiren, Als wozu ihr, hier auf Erden, glaublich nur bestimmet seyd: Werdet ihr vermuthlich fähig, und geschickt, nach dieser Zeit, Auf der rechten hohen Schulen, zu des Schöpfers Preis und Ehr,
Als des Buchs der Creatur wahren Inhalt, mehr und mehr, Jm beständigen Entzücken ewig selig, zu studiren.
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