Wie hat es diese Nacht gereifft! Mein GOtt! wie grimmig starck muß es gefroren Wie schwirrt und schreit, wie knirrt und pfeifft Der Schnee bey iedem Tritt! Mit den ietzt trägen Naben
Knarrt, stockt, und schleppt der Räder starres Rund, Ja wegert gleichsam sich, den kalten Grund, Wie sonst, im drehen zu berühren. Fast alles drohet zu erfrieren;
Fast alles droht für Kälte zu vergehn. Wie blendend weiß ist alles, was ich schau, So wol in Tieffen, als in Höhn! Wie schwartz, wie dick, wie dunckel-grau
Hingegen ist der gantze Kreis der Lufft! Zumahl da das noch niedre Sonnen-Licht Annoch nicht durch die Nacht des dicken Nebels bricht. Es scheint ob könne man, in einem greisen Dufft,
Die Kälte selbst anietzt recht sichtbar sehn. Sie fänget überall ergrimmt an zu regieren. Drey Elemente selber müssen Jhr schwer tyrannisch Joch verspühren,
Und deren Bürger all das strenge Scepter küssen, Der allem, was da lebt, Verlähmung, Pein und Todt, Ja selber der Natur den Untergang fast droht. Die durch den scharffen Frost gepresste Lufft erstarrt.
Die Fluht wird Eisen-Fest. Die Erde Felsen-hart, Ja felsicht in der That. Wenn man wol eh gehört, Daß gantze Städte sich in Stein verkehrt, Erstaunet man darob. Dieß ist erstaunens wehrt,
Daß nicht nur alles sich fast in der That In Stein verwandelt hat, Und alles, was man sieht, ein starres Schreck-Bild weiset; Nein, daß, wie durch Erfahrung ja bekannt,
Durch unsers Schöpfers Allmachts Hand Sich alles wiederüm entsteinet und enteiset. „nimm doch GOttes weise Macht „ach! so nimm, o Mensch, in Acht,
„wie des weisen Schöpfers Macht, „uns zum Nutz, und Jhm zum Preise, „auf so wunderbare Weise, „in dem Felsen-gleichen Eise
„welches Er hervorgebracht, „den Verband so spröd gemacht. Indeß erzittert ietzt für’s Frostes Grimm, und bebet Was in den Lüfften fleucht, und was auf Erden lebet.
Es schneidet recht der Frost, er klemmt, er sticht und drü Ja greiffet Haut und Fleisch, so scharff, so hefftig an, Daß es kein Cörper leicht erdulden kann; Indem er ihn offt brennt, offt gar ersticket.
Doch setzet GOtt des wilden Wütrichs Wuth, Zu einer Linderung, nicht nur die rege Glut, Und einen warmen Peltz entgegen; Es steckt so gar, bloß im Bewegen,
Ein wolfeil Mittel, das uns nützet, Das auch den dürftigen beschützet, Jhm die zu hefftige Gewalt des Frostes mindert, Und die, dadurch ihm sonst erregte, Schmertzen lindert,
Ja gar den kalten Tod, Den ein zu strenger Frost ihm öffters droht, Durch offnen Weg der Dünste, von ihm treibet. Wann aber doch die Schmertzen und die Plagen,
Die langer Frost erregt, kaum möglich zu ertragen; So wollest Du, o GOTT, dich dieser Zeit der Armen, Die sonder Feuer, Kost und Kleid sind, doch erbarmen! Laß aber, lieber Mensch, auch du, so viel an dir,
Dein Hertz zum Mittleid doch bewegen: Damit dein Liebes-Feur dein armer Nächster spühr: Komm, lindre seine Noth, mit deinem Segen: Such ihm in scharffem Frost ein Labsal zu bereiten,
Damit, wie Hiob spricht, auch seine Seiten, Wenn sie durch deine Hülff erwärmt, dich preisen, Und so, durch dich, dem Schöpfer Danck erweisen.
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