Es kühlete nunmehr der Herbst die Tage schon, Als ich, zur Abend-Zeit, im Garten hin und her Jm hellen Mond-Schein gieng; da ich von ungefehr Den Glantz der herrlichsten Jllumination,
Die ie ein Mensch gesehn, erblickt. Ich sah zuerst von meinem Zimmer, Die Fenster angestrahlt und herrlich ausgeschmückt. Der mehr als Silber-weisse Schimmer
Vom vollen Mond, der funckelnd rückwärts fiel, War meiner frohen Augen Ziel. Absonderlich, da bey so heiterm Wetter, Durch einen Wein-Stock, dessen Blätter
Die Scheiben fast bedecket hatten, Das Licht noch eins so hell, durch untermischte Schatten, Gläntzt, blitzt’ und funckelte. Wie ich nun also stand, Und diesen reinen Glantz recht Wunder-würdig fand;
Setzt’ iemand ungefehr ein brennend Licht Jm Zimmer vor das Fenster nieder. O welch ein Wunder-Glantz traff meiner Augen Lieder, Und fiel nicht nur in mein Gesicht,
Fiel in die Seele selbst hinein! Des hellen Lichts fast güldner Schein Drang in das bunte Laub der Neben, Das, durch den kühlen Herbst, und fenchte Wittrung, eben
Sein bis daher so lieblich Grün, So gelb als Gold, so roth, als ein Rubin, Gemahlet und gefärbt. Es ward dadurch zugleich So schön der Farben Schmuck gebrochen und gemildert,
Daß Noch seine Farben mischt. Ein Licht-Glantz, welcher strahl Durch Laubwerck, so auf Tafft gemahlt, Sieht angenehm, sieht nied-und lieblich aus:
Allein, wie groß ist doch der Unterscheid Von der Copie zum Urbild! irdisch nur Sind Farben, so die Kunst gebrauchet; die Natur Zeigt hier in einem Safft, der wol geläutert, rein,
Des Lichtes selbst gefärbten Schein. Wie herrlich flammt in einer rothen Glut Manch, selbst das reinste Schnecken-Blut Besiegend, und an Glantz weit übertreffend Blat!
Das viele bunte Nachbarn hat, Die auch, nicht minder schön, In gleichsam güldnen Flammen stehn. Durch diese bunte Glut, und Feuer-reiche Pracht
Ward alsobald in meinem Hertzen Ein Freuden-Feuer angefacht. Es brennen reiner Andacht Kertzen Zu dessen Ruhm, der Laub und Licht,
Und, über alles, mein Gesicht So wunderbar formirt, und mir gegeben. Ach mögt’ ich doch, zu Seiner Ehr, In seiner Creaturen Heer,
Sein unausdrücklich Lob ie mehr und mehr, In der Betrachtungs-Lust, zu mehren, mich bestreben!
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