Voll Ehr-Furcht hab' ich dieß offt bey mir überdacht: Wo auf der Welt, von GOttes Wunder-Macht Und Weisheit, eine Probe sich, Zum nie begriffnen Wunder, zeiget,
Die allen Witz weit übersteiget; So ist es die, wenn man erweget, Und mit geziemender Betrachtung überleget, Wie unbegreifflich ordentlich,
In so unordentlich-und wiederwärtgen Dingen, Woraus in dieser Unter-Welt Fast alle Ding’ entstehen und entspringen, Doch alles wunderbar vereinet, sich erhält.
Aus Wärm’ und Kält’, aus Erd’ und Gluth, Aus Licht, aus Dunckelheit, aus Lufft und Fluht, Aus saur und süß, aus tausendfachen Säfften, Aus Ruh, Beweglichkeit, und tausendfachen Kräfften,
Aus treiben, hemmen, ruhen, eilen, Aus lauter widerwärtgen Theilen Bestehet ein harmonisch Gantz. O unbegreifflich gross-Anbetungs-würdger GOTT!
Wie herrlich strahlt hieraus der ewgen Weisheit Glantz! O Schöpfer aller Ding’, HERR Zebaoth, O unergründlich weises Wesen, Das ich geoffenbar’t in dieser Mischung seh!
Was hast Du für Materie Zum Zeugniß Deiner Macht erlesen! Was sich verletzen sollt’ und schaden, muß sich nützen; Was sich zertrümmern müst und stürtzen, muß sich stützen;
Was sich vernichten sollt, zernichtiget sich nicht. Aus grosser Ungleichheit entsteht ein Gleich-Gewicht: Aus immerwährndem Krieg’ entsteht ein steter Friede. Ach! würd’ ich doch Zeit Lebens nimmer müde,
Von allen Deinen Wunder-Wercken, Doch dieß, als eins der grösten, zu bemercken! Ach! daß an unsrer Welt, vor allen andern Erden, Dieß, als was sonderlichs mögt’ angesehn,
Und alle Dinge, die in selbigen geschehn, Als Proben Deiner Macht, o HERR! betrachtet werden!
Cookies on Poetry Cove