Wie wunderbar ist doch der Bau So wol von Zärtlichkeit, als Farben und Figur, Den ich von Fingern der Natur In einer Kirschen-Blüht, die sich erst öffnet, schau!
Erst seh’ ich Blätter-Knospen-Spitzen Umringt von Trage-Knospen, sitzen. Die letztern, welche rund, sind erstlich glatt und grün. Die braune Haut, die, üm sie vor Gefahr
Zu schützen, fest und holtzig war, Eröffnet sich, und zeigt zwey auch noch harte Blätter, Die rund und hohl, und gantz voll zarter Spitzen, Und rauher Zäser sind;
Um ihr so zartes Kind, Als wie mit einem Peltz, zu schützen. Darauf erblickt man drey, die sonderlich formitt, Indem sie obenwärts recht in der Mitten,
Als wären sie mit Fleiß so zierlich eingeschnitten, Sich theilen, da sie denn ein eignes Spitzgen ziert. Nachher sind, aus dermassen schön, Drey schmale Blätterchen zu sehn,
Die unser’ Augen recht erfrischen, Wann sie ein zärtlich roth zu ihrem grünen mischen, Absonderlich, Da selbe sich,
Zumahl in hellen Sonnen-Strahlen, Zugleich mit zartem gelben mahlen. Bis endlich man die Bluhmen selbst, bey drey, Bey vier bis fünf, doch selten nur bey zwey,
In gleichfalls röthlich grüner Haut Noch einmahl eingeschlossen schaut. Wann diese nun bey lauem Wetter, Sich in fünf Blätterchen zertheilt,
Dann werden allererst der Bluhmen rechte Blätter, Die ein fast blendend weiss- und heller Schimmer schmückt, In einem holden Glantz erblickt. Die öffnen sich darauf, bey lauer Lufft,
Und zwar in solcher Meng, an allen Ecken, Daß sie, recht wie ein weisser Dufft. Die schlancken Zweig’ ümgeben und verdecken. Wenn so dann der Augen-Strahl
Durch die ungezehlte Zahl Bluhmen-reicher Zweige streichet, Und von holder Kirschen-Blüht, Wann sie sich geöffnet, gleichet)
Millionen auf einmahl In so weissem Lichte sieht, Deren iegliche verdienet, Um der Form und Farben Schein,
Stunden lang besehn zu seyn; Rühmt die Seel in ihrer Freude, Für die Lust und Augen-Weide, Den, der aller Dinge Pracht
Durch ein einzigs Wort gemacht.
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