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1680–1747

Menschliche Schwachheit.

Barthold Heinrich Brockes

Nachdem ich jüngst die Wunder-Pracht Der schönen Welt, wie sie so wunderschön, An einem heitern Tag’, im Sommer, angesehn; Folgt’ einem schönen Tag’ ein’ angenehme Nacht.

Die stille Luft, die anfangs schwühl, Ward frisch und allgemählich kühl. Kaum daß der helle Glantz der Sonne sich verhüllte; Als der gekühlten Lüfte Reich,

Aus Blumen, Laub’ und Kräutern, gleich Ein tausendfach-gemischter Duft erfüllte, Der, da er seine Kraft auf tausend Art vermischte, Den Geist, der es erwegt, auf tausend Art erfrischte.

Der Dämmrung sanftes Licht, das allgemein, Und keine Schatten zeugt, nahm Feld und Garten ein; Biß bald hernach Ein bläuligtes Gewölck’, als wie ein Berg gestalt,

Am Firmament sich sanft zerstückt’ und brach, Da alsobald Der volle Mond, mit röthlich-gelben Blitzen, Durch die gespaltnen duncklen Ritzen

Mit schnellem Wandern strahlte, Und die bethaute Welt mit Licht und Schatten mahlte. Mein GOtt, wie rührte mich, zu deinem Preise, Der jetzt, auf eine neue Weise,

Geschmückte Kreis der schönen Welt! Es war des Monden holder Schein Recht ausserordentlich entnebelt, hell und rein, Er war nicht blaß; ein röthlich-gelber Strahl

Bedeckt’ und schmückte Wald und Feld, Befloß und zierte Berg und Thal.

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