Skip to content
1680–1747

La Solitaire.

Barthold Heinrich Brockes

Ein vergnüglich holder Schauer, den man meist in Grotten kennet, Dessen kühlen Druck man fühlen, aber nicht beschreiben kann,

Tritt, beym Eintritt in die Laube, die man Und an dunkler Einsamkeit sich den Grotten gleicht, uns an. Der verwachs’nen Zweige Menge zeugt hier eine grüne

Nacht, Welche der geschloßne Bogen dunkler und doch schöner macht. Wenn wir hier mit, durch die Schatten recht gestärkten,

Augen sitzen, Und durch die verschränkte Dicke der belaubten Bäume seh'n, Wie zuweilen kleine Strahlen an bemooßte Stämme blitzen,

Alle dunkle Schatten trennen, und, durch sie, noch einst so schön, Durch den Gegensatz erhaben, recht wie kleine Lichter steh'n;

Wird es in der Seelen helle. Dieser schönen Lichter Schein Senkt sich in das Innerste der gerührten Brust hinein, Und erleuchtet so den Geist, daß er sich zum Schöpfer

lenket, In nur Jhm ergebner Ehrfurcht: Daß nur Er uns alles schenket, Daß Er aller Schönheit Quelle, voller Dank-Begierde,

denket, Welches denn aus seinem Herzen manchen frohen Seufzer preßt, So, daß er, voll innrer Freude, manch GOtt Lob! erschal-

len läßt.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
La Solitaire. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove