Daß GOtt dieses Rund der Erden, Wie uns Schrift und Bibel lehr’t, Durch ein Wörtchen lassen werden, Ist ja wol erstaunens-wehrt:
Doch nicht minder ist zu preisen, Daß in zwey so kleinen Kreisen Alles, was der grosse heg’t, Sich in uns’re Selen präg’t.
Was der Erden Grenzen fassen, Muß sich durch besond’re Kraft Von zwey Pünctchen fassen lassen; Deren selt’ne Eigenschaft
Auch die allergrösten Sachen Dergestalt weiß klein zu machen, Daß, was nicht zu messen steh’t, Ins Gehirn durchs Auge geh’t.
Aug’, in deinen engen Schranken Sieht man, was das Herze spricht. Rege Zunge der Gedanken, Witz des Cörpers, Selen-Licht,
Richter der Vollkommenheiten, Spiegel aller Seltsamkeiten, Die der Erd-Kreis in sich hält, Führer der sonst blinden Welt!
Göttlichs Glied, kein Stral, kein Blitzen Teil’t die Luft so schnell, als du. Du bleib’st, wo du sitzest, sitzen, Flieg’st und steh’st in steter Ruh’:
Alle Bilder, die der Selen Sich so wunderbar vermälen, Was Verstand und Weisheit weiß, Zeug’t dein Stralen-schwang’rer Kreis.
Wer auf dieses Wunder achtet, Wenn der Selen rege Kraft Durch das Aug’ ein Aug betrachtet; Wird fast aus sich selbst gerafft,
Weil er mit Erstaunen siehet, Wie sich die Natur bemühet, Und so unschätzbaren Schatz Schliesst in solchen kleinen Platz.
Jm Gehirn, der Nerven-Qvelle, Wird der Mittel-Punct gezeugt, Der sich von der Ursprungs-Stelle In zween zarte Gänge beugt,
Draus die aufmerksamen Augen Die Bewegungs-Kräfte saugen, Daß daher, wenn eins sich reg’t, Auch das and’re sich beweg’t.
Uns’rer Augen wässricht Wesen Samt der Haut ist ungefärbt, Damit, was wir sehn und lesen, Nicht verändert, nicht verderbt
Uns’rer Sele scheinen mögte; Sie also nur fälschlich dächte, Wie, wenn wir durch Gläser sehn, Die gefärb’t, pfleg’t zu geschehn.
Hinter einem jeden Kreise Find’t sich eine schwarze Wand, An der, auf besond’re Weise, Da sie gleichsam ausgespann’t,
Durch die wäss’richten Krystallen Mancherley Gestalten fallen, Wann das Licht, so sie bestral’t, Tausend Bilder daran mal’t.
Linsen gleich zu beyden Seiten, Zur Beförderung des Lichts, Wollt’ es die Natur bereiten, Daß die Stralen des Gesicht’s,
Die vom Gegenstand’ erscheinen, Sich in einen Punct vereinen, Daß durch doppeln Gegenschlag Alles deutlich scheinen mag.
Beyde Träubchen in den Augen Haben solche selt’ne Kraft, Daß sie sich zu öffnen taugen, Und, nach Muskeln Eigenschaft,
Wiederum zusammen ziehen. Dieses, wenn sie sich bemühen, Starkem Lichte zu entgehn, Das, um in die Fern zu sehn.
Alles dieses kann man weisen; Aber, wie das Auge sieht, Ob das Sehn in seinen Kreisen, Oder ausserhalb, geschieht;
Davon, wie von vielen Sachen, Ist kein fester Schluß zu machen. Vielen scheinets, wenn wir sehn, So, wie folget, zu geschehn:
Unser Auge treibt zusammen Alle Geister, die es braucht: Seine Stralen sind wie Flammen, Die der Geist stets von sich haucht,
Die, in Form der Flammen-Seulen, Stetig aus den Augen eilen, Wodurch es uns ins Gemüt Allerley Gestalten zieht.
Hat man auf verborg’ne Weise Dieses Feuer weggesandt, Und es findet auf der Reise Einen dichten Gegenstand,
Wovon lichte Teilchen springen; Wird es diese rückwärts dringen, Und die prall’n im Augenblick Durch den Gegenstand zurück.
Da spür’t’s durch besond’re Künste Seines Gegenstandes Bild, Welches gleichsam als durch Dünste Stets aus allen Cörpern qvillt,
Sich beständig draus erhebet, Und auf allen Flächen schwebet: Da, spricht man, sieht das Gesicht, Aber in dem Auge nicht.
Ich hingegen könnte weisen, Wie das Fülen, wenn ich seh’, In der Augen regen Kreisen Und beym Vorwurf nicht gescheh,
Wie die Bildung aller Dinge Durch das Licht ins Auge dringe, Welches, wenn man es betracht’t, Dieß Exempel glaublich macht:
Alle Cörper auf der Erden, Die rund, glatt und dunkel seyn, Wenn sie recht betrachtet werden, Haben einen kleinen Schein:
Dieser fänget wie ein Spiegel Wälder, Wolken, Thal und Hügel, (wenn die Sonn’ auf selbe stral’t) Als wenn sie darin gemal’t.
Ja bey aufgeklär’tem Wetter Hab’ ich einst von ungefehr, Wie sich Felder, Bäume, Blätter Gar in einer Heidelbeer
Fast unsichtbar’s Scheinchen drückten, Jhn mit Farb’ und Zeichnung schmückten, Unvergleichlich, rein und schön, Mit Erstaunen angesehn.
Wie nun solche Bilder fallen Auf was dichtes; also fällt In die glänzenden Krystallen Uns’rer Augen, was die Welt
Durch die Sonne sichtbar heget; Daß sich’s aber in uns präget, Komm’t, weils sich durchs Auge spielt, Da der Sinn die Bilder fül’t.
Welches nun von beyden Teilen Unrecht sey, und welches wahr, (wenn wir uns nicht übereilen) Ist nicht eben allzuklar.
Gottes Wege sind verborgen; Darum will ich minder sorgen, Wie die Wunder zu verstehn, Als erfreut sie anzusehn.
Mit wie vielerley Geweben, Adern, Nerven, Fleisch und Haut Ist durchflochten und umgeben Das, was man im Auge schaut!
Grosse Fäden, kleine Körner, Netze, Knoten, Trauben, Hörner, Wasser, zähe Feuchtigkeit, Dämmerung und Dunkelheit,
Geister, Wasser, Blut-Gefässe. Nimmer, nimmer glaubte man, Daß so viel im Auge sässe, Als man kaum erzehlen kann.
Mäuslein, Häute, Nerven, Drüsen Werden uns darin gewiesen. Kurz: es wird des Schöpfers Hand Wunderbar im Aug’ erkannt.
Doch das herrlichste von allen, Das verwirr’t Verstand und Witz, Sind die stralenden Krystallen, Die des Lichtes Thron und Sitz.
Helle Cirkel, kleine Sterne, Die ihr so was nah als ferne Unterscheidet; euer Schein Scheint was Göttliches zu seyn!
Ferner sind die edlen Glieder Mit sechs Muskeln noch versehn; Da das Par der Augenlieder, Die bald auf-bald nieder gehn,
Durch ihr nimmer müdes regen, Und ihr ewiges Bewegen Macht, daß Kälte, Staub und Wind Nie den Augen schädlich sind.
Daß kein Zufall es verletzen, Keine Not ihm schaden mag; Hat’s der Schöpfer wollen setzen Unter ein gewölbtes Dach:
Wo der Augenbraunen Bogen Sich zur Zierde vorgezogen, Unter deren halbem Kreis’ Es von keinem Schaden weiß.
Ja daß uns das Licht nicht möge Hinderlich am Schlafe seyn, Schützet GOTT durch diese Wege Unser Aug vor dessen Schein,
Da vor des Gesicht’s Krystallen Sie recht wie ein Vorhang fallen, Der sich früh, damit man sieht, Wunderbar zusammen zieht.
Wer kann ohn’ Erstaunen fassen, Wie die Augen-Lieder sich So geschwind bewegen lassen! Seht doch, wie verwunderlich
GoTT den Augen einen Bogen In den Liedern vorgezogen, Der so nett aufs Aug sich schickt, Das er drückt, und doch nicht drückt.
Hüben sich die Augen-Lieder Durch die Muskeln selbst nicht auf, Sondern sünken immer wieder, (ach man achte doch darauf!)
Wie erbärmlich würd’ es lassen, Wenn man sie mit Händen fassen, Und erst aufwärts schieben müst! Merks, verstockter Atheist!
Der du keine Gottheit gläubest, Und bisher verblendet bist, Wo du hier im Jrrtum bleibest, Und dieß Wunder nicht ermist;
So willt du mit Fleiß nichts sehen. Kann dieß von sich selbst geschehen? Zieht sich selbst von ungefehr Wol ein Vorhang hin und her?
Daß die Trockenheit nicht wehre Die Bewegung dem Gesicht’, Ist im Auge manche Röhre Wunderbarlich zugericht’t,
Welche stetig Feuchtigkeiten Unterm Lied’ aufs Auge leiten: Daher, weil es glatt verbleibt, Nicht versehrt wird, noch sich reibt.
Daß hiernächst durch stete Güsse Unser Aug’ ohn’ Unterlaß Nicht in Thränen stehen müsse; Wird ein überflüssigs naß,
Wie man es ja stetig spüret, Durch die Nase weggeführet, Welches, da es so verseigt, Eine grosse Weisheit zeigt.
Daß auch, jedes Ding zu sehen, Welches man zu sehn gedenkt, Man den Kopf nicht dürfe drehen; Wird das Auge selbst gelenkt
Auf so wunderbare Weise, Unter-aufwärts, rings im Kreise, Rechts und Links durch Muskeln, die Sich bewegen sonder Müh.
Schaut die Weisheit und das Lieben Unsers Schöpfers, der dem Licht Solch Gesetze vorgeschrieben, Daß es sich im Wasser bricht,
Daß die Stralen folglich taugen, In dem Wasser uns’rer Augen Sich zu brechen: Da die Spitz’ Alles zu verkleinern nütz.
Wie sich durch des Lichtes Stralen, Durch ein Glas im dunkeln Ort’ Alle Bilder deutlich malen; So begreift man alsofort,
Daß, zu diesem Zweck alleine, Eine wunderbarlich kleine Zierlich-runde schwarze Wand In den Augen ausgespannt.
Drauf viel tausend Schildereyen Schneller, als der schnell’ste Blitz, Sich formiren, sich zerstreuen, Und sich in der Selen Sitz
Ehe noch, eh wirs gedenken, Durch das kleine Nervgen sen ken, Da denn, was so lieblich scheint, Mit der Sele sich vereint.
Sollten alle diese Sachen Wol von ungefehr geschehn, Oder, um sie nachzumachen, Sich wol Künstler unterstehn,
Sie aus Fischen, Fleisch und Speise Auf so wunderbare Weise Zu formiren? Sehet dann GoTTES Werk in ihnen an?
Daß der Sinne Kraft nicht grösser, Stell’t ein neues Wunder dar. Sähen unser’ Augen besser In der Nähe scharf und klar,
Und als durch Vergröss’rungs-Gläser Aller Dinge klein’ste Zäser; Uebersäh der Augen-Stral Kaum ein Sand-Korn auf einmal.
Wären Gegenteils die Augen Wie ein Fern-Glas zugericht’t; Würd’ ich zwar zu sehen taugen Manch entfern’tes Sternen-Licht:
Aber Sachen in der Nähe, Die ich itzo deutlich sehe, Würden, auch beym Sonnen-Schein, Dunkel und unsichtbar seyn.
Welch Ergetzen, welche Freuden Bringt uns Menschen das Gesicht, Wenn man das, nach langem Scheiden, Was man liebet, sieht und spricht!
Denkt, wie das Gesicht uns nützet, Wenn’s uns für Gefahr beschützet, Die durch Straucheln, Stoß und Fall Uns sonst drohet’ überall.
Wenn wir es genau betrachten, Ist die Kraft von diesem Sinn Mit dem höchsten Recht zu achten, Als der Sinne Königinn,
Da ja Künst’ und Wissenschaften All’ an unsern Augen haften: Künstlich, ja gelehrt, zu seyn, Wirkt fast das Gesicht allein.
Alles würd’ uns Menschen felen, Fel’t’ uns Menschen das Gesicht. Ja wenn wir von ihm erzälen, Daß es unsers Leibes Licht,
Ist es wahr: doch wird man’s können Gar ein Licht der Sele nennen, Weil es uns, wenn man studir’t, Auf den Weg der Weisheit führ’t.
Daß wir ferner durch die Augen In des Himmels Abgrunds-Tal Deutlich zu erkennen taugen Sonnen, sonder Maß und Zal:
Daß wir in dem Heer der Sternen Gottes Grösse kennen lernen, Ist ein Wunder, welches man Gott nicht g’nug verdanken kann.
Könnten wir es dahin bringen, Daß man (ach daß es gescheh!) GoTT durchs Aug’ in allen Dingen Jmmer gegenwärtig seh!
Gottes Weisheit, Lieb’ und Stärke Zeiget sich durch aller Werke Künstlichen Zusammenhang, Lieblichen Zusammenklang.
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