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1680–1747

Herbst-Gedanken.

Barthold Heinrich Brockes

Wie ich im Herbst in einem güldnen fast mehr, als gelben Walde ging, Und wie von roht- und gelber Farbe ein Feuer-gleicher Glanz ihn schmückte,

Der überall zu lodern schien, mit ungemeiner Lust erblickte; So deucht mich, daß ein jeder Baum, ja jedes Blatt, das an ihm hing, Zu denen, die vorüber gingen, so gleichsam anzusprechen fing:

Du wolltest durch mein schönes Grün, Ob es gleich noch so lieblich schien, Nicht vom Gewohnheits-Schlaf erwachen; So laß mein Feuer-farbner Schein

Dir itzt, statt eines Feuers, seyn, Der Andacht Flammen anzufachen! Ich müh’ mich, mich aufs neu zu mahlen, Um besser dir ins Aug’ zu strahlen,

Beschaue mich! noch bin ich da; Beschaue mich! noch bin ich schön. Doch mußt du mich noch heute seh’n, Denn morgen ists um mich geschehn,

Ich spühr es, mein Vergehn ist nah. Wenn du mich noch beschaust, und denkest: Wie schön ist dieses Baumes Pracht! Wie schön ist, was der Schöpfer macht!

Wenn du nur ein GOtt-Lob Jhm schenkest; So hast du deine Pflicht vollbracht, Und da du mich dazu erlesen, Und auch, in mir, an GOtt gedacht;

So hin ich nicht umsonst gewesen.

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