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1680–1747

Herbst-Blätter.

Barthold Heinrich Brockes

Man sieht mit Lust, im frohen Lenzen, Die jungen Blätter lieblich glänzen. Sie scheinen selbst vergnügt, von lauer Luft gestreichelt, Getränkt, erfrischet, und geschmeichelt.

Doch wenn die Luft nachher sie widriger begegnet, Sie, bald durch Dürre schwächt, bald sie zu stark beregnet, Bald durch die Stürme neckt, bald durch die Kälte quält, Und nimmer ruhen läßt: Scheint jedes, halb entseelt,

Als ob sichs, länger so zu leben, abgewöhnte, Als wenn sichs wiederum nach seinem Ursprung sehnte, Und, nach der Mutter Schooß. Dahero wurden nun die Zweige plötzlich bloß,

Indem ein jegliches, von seinem Sitz herab, Sich nach der Mutter Schooß in aller Eil begab, Und sich mit ihr vereint. Der Blätterchen Betragen stellte mir,

Wie ich es überlegt, ein nützlichs Beyspiel für, Wenn wir in unsrer Lebenszeit, Von Alter, Krankheit, Gram und Widerwärtigkeit, Recht mürb und matt gemacht: Wie, daß wir auch, wie sie

Ohn allerley Bekümmerniß und Müh, Den irdschen Theil nicht gern zu seinem Ursprung senken, Damit der andere, von allem Kummer frey, Entfernt von Noth, Gefahr und Kränken,

In einer ewgen Ruhe sey!

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