So mein- als ihrem HErrn zum Ruhme, Seh ich hier eine neue Bluhme, Da alle Bluhmen weg, vergangen, So gar im Schnee und Eise, prangen.
Fürwahr, es ist Bewundrung wehrt, Da deiner Blätter zart Gewebe Auch nicht der strenge Frost versehrt; Daß man es merkt, und Den erhebe,
Der uns in dir aufs neue zeiget, Wie Seine Weisheit, Seine Macht, Was jemahls unser Geist erdacht, An Gröss’ unendlich übersteiget.
Da nicht allein die Bluhmen nur, Da fast die Kräfte der Natur Der Kälte Strenge will vernichten; Weiß GOtt ein Blühmchen zuzurichten,
Das, obs gleich schneiet, friert und wehet, Doch aller Kälte widerstehet. Es stellet mir dein holder Flor, Bey meiner Lust, ein Lehrbild vor.
Mir fällt, bey dir, die Wahrheit bey: Daß, wenn gleich Unglücks-Winde stürmen, Doch GOtt vermögend zu beschirmen, Und in den Schwachen mächtig sey.
Nun will ich deinen Bau betrachten, So Farb’ als Form’ an dir beachten, Und dich, da du besonders schön, Auch, mit besonderm Fleiß, besehn.
So lange sie geschlossen stehn, Sind nur drey Blätter dran zu sehn, In einer Form, fast Tulpen gleich: Doch ist sie noch an dreyen reich,
So bald sie von einander gehen. Da ich sie, wenn sie offen, bald Den wilden Rosen an Gestalt, In einer angenehmen Ründe,
In hohlen Blättern, ähnlich finde. In ihrer Mitte sehen wir, In ausserordentlicher Zier, Um neun vereinten rohten Spitzen,
Auf kleinen Silber-weissen Stangen Zu Anfangs güldne Kölbchen prangen, So erstlich Trauben formig sitzen. Die aber doch nicht dergestalt
In ihrer Lage lange bleiben, Da sie sich von dem Centro bald Zurücke ziehn, sich abwerts treiben, Und eine neue Form empfangen.
Wodurch sich denn, zu gleicher Zeit, Die zierliche Vollkommenheit Des Mittelpuncts dem Blick entdecket, Der bis dahero ganz verstecket,
An dem sich die Bewundrung häuft.
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