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1680–1747

Heilsahme Schwäche.

Barthold Heinrich Brockes

Will man von Hochmuth aufgeblasen, von Stoltz geschwollen, sich erheben; So dencke man doch, wo und wie uns unser Leben wird gegeben.

Es wird die Menschheit, sonder Zweiffel, sich weniger er- höh'n, als schämen, Erwegt man Art und Ort, wie wir und wo wir unsern Anfang nehmen;

Betrachten wir hiebey des Cörpers hinfällige Beschaffenheit, Der Kranckheit Last, des Lebens Kürtze und flüchtige Ver- gänglichkeit Erwegt man mit gesetztem Sinn, ohn Vorurtheil, zugleich

dabey, Wie selber unser Geist so schwach, so eitel, und so niedrig sey; Wie oft ihn Leidenschaft bemeistert; wie wir so wenig

gründlich wissen; Wie oft er sich so weit verirret: wird man denn nicht ge- stehen müssen, Daß wir uns hier auf dieser Welt, mit allen unsern Vor-

zugs Gaben, Mit allem eingebildten Witz, nicht sehr zu brüsten Ursach haben. Sey aber darum nicht betrübet: es fließt aus der Erkenntniß

mehr, Als was man anfangs glauben solte. Es fließt daraus, zu Gottes Ehr, Der Nächsten-Liebe Quell, die Demuth, im Leben; und

wann wir erblassen Der Glaub’, in welchem wir gedultig auf seine Lieb’ uns blos verlassen.

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