Skip to content
1680–1747

Gesang der Vögel.

Barthold Heinrich Brockes

Wenn wir die Vögel singen hören, So laßt ihr Zwitschern uns doch lehren, Wie groß, wie würdig zu verehren So ihr als unser Schöpfer sey!

Sie werden’s uns mit Lust erklähren. Man achtet’ eh, auf ihr Geschrey Auf eine wunderliche Weise: Wir aber finden, GOtt zum Preise,

In ihrem Singen mancherley. Jhr süß und lieblich Lust-Gethön Giebt uns gar deutlich zu verstehn, Daß sie, den Schöpfer zu erhöhn,

Und uns zu gleicher Zeit zu laben, Der hellen Stimmen Wunder-Gaben, Wir das Gehör, empfangen haben. Wer beide Werckzeug’ recht erweget,

Der findet eine helle Spur Von Wundern, welche der Natur Von einem Wesen eingepräget, Das, wie an Lieb und Macht, zugleich

An Weisheit überschwenglich reich. Das allen Dingen Seyn und Leben, Wie uns das unsrige, gegeben, Das, ob es alles gleich erfüllet,

Sich in die Creatur verhüllet; Ein herrlich Wesen, welches man, Wenn wir sie recht mit Lust beschauen, Wie einen Löwen aus den Klauen,

Aus ihrer Schönheit, kennen kann!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Gesang der Vögel. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove