Ich sah, auf einem schwanken Ast, fast auf desselben äussern Spitzen, Ein kleines buntes Vögelein, bequem und recht geruhig, sitzen;
Es regt’ an seinem ganzen Cörper sich nichts, sein kleiner Kopf allein Schien des beblühmten Frühlings Pracht, zumahl der Sonnen hellen Schein,
Durch stetes Drehen, zu bewundern. Bald bog er es zu beyden Seiten, Bald wendet er es in die Ründe, entzückt ob allen Lieblich- keiten.
Jtzt kehrt sein Blick sich Himmel- werts, itzt wieder auf die Welt hernieder, Und gurgelt, in so muntrer Wendung, aus Lieb’ und Lob erzeugte Lieder.
Man konnt’ aus seiner regen Kehle, bey nimmer unter- brochnem Drehn, Die klingenden Gesänge dringen und Töne gleichsam quillen sehn.
Ich setzte mich, von einem Busch bedeckt, bedachtsam zuzu- hören, Und, in den tausendfachen Liedern, so mich als andre zu beleh- ren:
Wie in des Schöpfers Creaturen die nicht bemerkten Kleinigkeiten Der Menschen Achtsamkeit verdienen, und alle zur Bewundrung leiten;
Ja wie, da alle grossen Werke aus Kleinigkeiten bloß besteh'n, Wir, in Betrachtungen der Kleinheit, fast Gott am würdigsten erhöh'n.
Was alle Künstler der Music mit allen ihren Instru- menten, Zu des Gehörs Belustigung, bisher für uns erfinden könnten, Reicht an die reine Süßigkeit, die aus der Vögel Schnäbeln
bricht, An Zärtlichkeit, an scharfer Schönheit, Veränderung und Liebreiz, nicht. Es wirbeld oft ein klingend
Singen, Ein flötend Schmatzen wissen sie vereint zugleich hervorzu- bringen. Sie können, bey gesenkten, hohlen und tiefen Tönen, helle
pfeifen. Sie sind geschickt, fast unbegreiflich, in runden abgesetzten Läufen, Die rollende geschwinde Töne zugleich zu dehnen und zu
schleifen. Es locket, zwitschert, schlägt und gurgelt, bald steigend, bald im holden Fall, Mit tausendfältigen Manieren, der tausendfach formierte
Schall. Wenn wir demnach, wie Menschen, denken, und unsre Pflicht erfüllen wollen; So müssen wir vernünftig hören, uns an dem süssen Klang
vergnügen, Zu unsrer Lust das Danken fügen, Und für die Anmuht des Gehörs dem Geber unsre Freude zollen.
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