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1680–1747

Geistige Copie der Welt.

Barthold Heinrich Brockes

Mein GOtt! da ich hier ganz allein (die Augen auf die Welt gekehrt, Die jetzt der Lenz beblühmet) sitze, auf alle Schönheit Achtung gebe,

Die Himmel, Erd’ und Wasser zeigen, worinn Dich alles zeigt und ehrt, Dich, HErr, bewundre, mich vergnüge, in meiner Lust Dein Lob erhebe;

So deucht mich, daß nur diese Zeit die wahre Zeit sey, die ich lebe. Ich fühle Dich in meiner Lust, ich finde, daß ich Dich entdecke

In allem, was ich riech' und schmecke. Ich finde, da sich meine Sinnen auf Dich, in Deinen Werken, richten,

Da sich mein Geist, von andern Dingen entfernet, nur mit Dir befaßt, In einer Unschuld-vollen Stille, in einer rechten Seelen- Rast,

Sich Dein, in Deinen Wundern, freuet; daß dieß die wah- ren Menschen-Pflichten, Zu welchen wir erschaffen, scheinen. HErr, laß, was mir von dieser Welt,

Wenn ich sie als Dein Werk betrachte, so unausdrücklich wohl gefällt, Dir auch aus Gnaden wohl gefallen! So oft als sich in meinem Geist

Dein grosses Werk verkleinert, weis’t, Als eine zarte Schilderey, Von den Betrachtungen gebildet und gemahlet, Von Deinem Gnaden-Licht bestrahlet,

Wünsch ich, daß die so kleine Welt aus Gnaden Dir ge- fällig sey! Und daß aus dieser nach dem Leben formierten ähnlichen Copey,

In welcher, da sich unsre Lust zum Ruhm des grossen Schöpfers füget, Der eigentliche Zweck des Schöpfers, wozu Er Bilder formte, lieget,

Denn ebenfalls erhellen möge, was uns die Schrift zu wissen thut Vom grossen Welt-Original: Was GOtt gemacht, ist alles gut!

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