Mein GOtt! welch eine Donner-Wolke, Von Unglück schwehr und fürchterlich, Bedroht, sammt allem meinen Volke, Und allen Meinigen, auch mich,
Mit Strahl und Schutt uns zu bedecken! So rief ich, starr von schnellem Schrecken, Als neulich ich, aus Hamburg her, Durch Dich, getreuer ‒ ‒ ‒
Ein unvermuhtet Blatt empfing, Und, ohn’ auf meiner Kinder Fragen: Was gutes Neues? was zu sagen, In mein geheimes Thürmchen ging,
Voll Schwermuht mich ins Fenster legte, Mit auf dem Arm gestütztem Haupt, Und die so grause Folg’ erwegte Der Nachricht, die mir alles raubt’.
Ich las’ das treue Warnungs-Schreiben Noch einmahl über, und ich fand, Daß dieß darinn geschrieben stand: “wir haben, was sonst kaum zu gläuben,
„die sichre Nachricht eingenommen: „daß dorten, leider! eh’ ihrs meynt, „mit Schiff und Völkern, unser Feind, „euch anzufallen, werde kommen.
Wie, wenn ein Messer umgeglitten, Und man sich tief ins Fleisch geschnitten, Das Blut erst stocket, eh’ es fleußt, Dann aber sich mit Macht ergeußt;
So stutzt’ ich erst, bis nach und nach, Zumahl, als ich die Landschaft sahe, Die mir mit ihrem Schmuck so nahe, Aus meiner Brust die Klage brach:
Es war mein Hoffen und mein Wille, Fern von der Welt, in Einsamkeit, Und einer GOtt- ergebnen Stille, Hier einen Theil von meiner Zeit,
In ruhiger Gelassenheit, Von Neid und Scheelsuchts-Gift befreyt, In Ruh, vergessen, zuzubringen, Und GOttes Wunder zu besingen.
Nun soll ich alles dieses lassen! So seh’ ich diese Gegend hier, Wovon die Schönheit, Pracht und Zier Nicht zu beschreiben, nicht zu fassen,
Und alle Vorwürf’ ohne Zahl, Vielleicht nunmehr zum letzten mahl! Die fast sapphirne Wasser-Welt, Das lieblich- grün- und gelbe Feld,
Die Anmuht der beblühmten Auen, Soll ich hinführo nimmer schauen! Soll ich denn den so reichen Segen, Den hier mein fruchtbar Feld mir beut,
Und welches eben abgemeyt, Denn nicht in meine Scheure legen? Soll ich die holden Friedens-Hütten, Die hier, von Korn erbauet, stehn,
Von eines Feindes Faust zerrütten, Und feindliche Gezelte sehn, Da, wo so manches Segens-Zelt, Von reifen Hocken, unser Feld,
So weit sich nur das Auge strecket, In langen Linien, bedecket? Soll denn die reife Frucht der Aehren Ein feindlicher Soldat verzehren,
Der mir vielleicht noch Mord und Tod, Zu allem meinen Schaden, droht? Die Freude giebt der Schwehrmuht Platz, Und, mit verbittertem Vergnügen,
Seh’ ich hier meiner Garben Schatz, Und weiß nicht, ob er mein ist, liegen. Soll ich die jüngst gepflanzten Weiden, Die ausgehauenen Alleen,
Die ich erst gestern, voller Freuden, Vollstrecken sah’, nicht ferner sehen? Soll ich das, was ich schon vollbracht, Zum Schmuck und Nutz des ganzen Landes,
Auch zur Befestigung des Strandes, Und was ich noch zu machen dacht’, Zur Besserung von Weg- und Auen, Nicht mehr, als bloß im Denken, schauen?
Ein glücklich angefangner Bau Am Schloß, den ich bald fertig schau, Woran ich viele Mühe wende, Kömmt bald vielleicht in Feindes Hände!
Gehoffter Vortheil künft’ger Jahre, Du bleibest aus, du bist dahin! Mich deucht, daß ich bereits erfahre, Wie ich um alles Meine bin!
Ist es denn Wunder, daß ich denke: O HErr! Je grösser Dein Geschenke Erst war, und Deiner Gaben Zahl, Je mehr verliehr’ ich auf einmahl!
So dacht’ ich, voller Sorg’ und Grämen. Beschloß doch, wie ich mich besann, Die Zuflucht bloß zu GOtt zu nehmen, Und rief Jhn, voll Vertrauen, an:
O HErr! Dir fehlt es nicht an Macht, Mir, was Du mir geschenkt, zu lassen. Laß mich dieß recht mit Andacht fassen; Es sey von mir mit Ernst bedacht.
Und da wir nichts als beten können, So bet’ ich, HErr! erbarm dich mein! Ach fahre fort, den hellen Schein Von Deiner Güte, mir zu gönnen!
Laß das, so mir kann schädlich seyn, Die nahe Noht, sich von mir trennen, Damit ich könne ferner Dein, Wie vor, gesegnet Kind mich nennen!
Doch es gescheh’ Dein Will allein! Damit mich nun an meiner Schuldigkeit, Und Gegenwehr, nichts möchte hindern, Ließ ich, für meine Frau, nebst unsern kleinsten Kindern,
Ein wohlbesegelt Schiff früh, für den andern Morgen, Durch Jemand insgeheim besorgen. Und darauf that ich meiner Frauen Der Sachen Zustand kund, der denn, wie leicht zu denken,
Auch sie nicht wenig mußte kränken; Doch fassete sie sich beherzt. Wir überdachten, In Eile, was zu thun. Es sollt es niemand wissen, Dieß war das schlim̃ste noch. Daher sie sprach: Wir müssen
Ganz einen andern Vorwand nehmen. Es ward darauf die ganze Nacht, In ziemlicher Verwirrung, zugebracht. Und endlich setzte sie, mit sechs von unsern Kindern,
Nebst meinem Schwieger-Sohn, der eben bey mir war, Sich frühe in ein Schiff, und ließ sich die Gefahr Des Wassers nicht an ihrer Reise hindern. Mit welchem Muht sie mich, ich sie, verlassen;
Wird jeder leichtlich fassen. Da war ich nun allein, nebst meinen ältsten Söhnen, Die ich, um sie zu allen zu gewöhnen, Mit Fleiß bey mir behielt. Ich trat denn meine Pflichten,
Und, was zur Gegenwehr mir oblag, auszurichten, Beherzt und muhtig an, besorgte Proviant Für die, zu meiner Hülf’, mir zugesandte Schaaren, Und alles, was in Eil, zu einem Widerstand,
Herbey zu schaffen war. Die Völker kamen an, Der, da sie ausgeschifft, mehr als drey hundert Mann, Zusammt noch einem Corps von Canonierern, waren. Die Ammunition, der Hausraht der Bellonen,
Cartätschen, Pulver, Bley, sammt Flinten und Canonen Kam auch im Ueberfluß; wir warfen Batterien, Am weiten Elb-Strand, auf, besetzten Avenüen So viel uns möglich war, befestigten das Schloß
Mit neuen Werken und Geschoß. Nachdem ich nun beständig Tag und Nacht, In mancherley Verrichtung, zugebracht, Wobey, wie es der Menschen Brauch,
Bey vielen nöhtigen, unnöht’ge Grillen auch, In grosser Menge, mir den Kopf erfüllten, Und bald des Geistes Licht erhellten, bald verhüllten; Nahm endlich mit der Zeit die Hoffnung überhand,
Wodurch so Sorg’ als Furcht gemach, gemach verschwand. Es hieß, es wär’ der Krieg vermuhtlich abgewandt. Nach trüben Wolken schien des Friedens Sonnen-Schein, Es stellt’ sich meine Frau und Kinder wieder ein.
Es ziehen sich die Krieges-Schaaren, Die, mir zu helfen, kommen waren, Sich, ohne Schwerdt-Schlag (welch ein Glück!) Nunmehro wiederum zurück.
So ist denn ja die Zeit, die ich gewünscht, erschienen, Es zeigt sich überall die holde Sicherheit. Ach, mögte mir nunmehr die Wiederwärtigkeit, Den edlen Frieden-Schatz doch recht zu schätzen, dienen!
Herr, laß mich Deine Huld, in meinem Glück, ermessen, Und der so nahen Noht, die fern ist, nicht vergessen! Da Plagen, die entfernt, mit Recht ein Glück zu nennen; So laß mich auch dieß Glück, bey meinem Glück, erkennen!
Ich werde, da ich mich nunmehro recht besinne, Noch immer mehr des Glückes inne. Ich überleg’ in Ernst mein voriges Geschick, Und halte gegen das, mit Recht, mein itzig’s Glück.
Es ändern sich, GOtt Lob! die vor’gen Lieder schon, Und sing ich itzt, GOtt Lob! aus einem andern Ton: Ich darf dieß alles nun nicht lassen, Und seh’ ich diese Gegend hier,
Woran die Schönheit, Pracht und Zier Nicht zu beschreiben, nicht zu fassen, Und alle Vorwürf’ ohne Zahl, Gott Lob! noch nicht zum letzten mahl!
Die fast sapphirne Wasser-Welt, Das lieblich- grün- und gelbe Feld, Die Anmuht der beblühmten Auen Werd’ ich hinführo ferner schauen.
Ich kann nun den so reichen Segen, Den hier mein fruchtbar Feld mir beut, Und welches eben abgemeyt, Vergnügt in meine Scheuren legen.
Ich darf die holden Friedens-Hütten, Die hier, von Korn erbauet, stehn, Von keines Feindes Faust zerrütten, Noch feindliche Gezelte sehn,
Da, wo so manches Segens-Zelt, Von reifen Hocken, unser Feld, So weit sich nur das Auge strecket, In langen Linien, bedecket.
Es soll die reife Frucht der Aehren Kein feindlicher Soldat verzehren, Der mir vielleicht Brand, Mord und Tod, Zu allem Schaden, noch gedroht.
Die Schwermuht giebt der Freude Platz, Und, ohn’ ein vorigs Unvergnügen, Seh’ ich hier meiner Garben Schatz, Und weiß nun, daß er mein ist, liegen.
Die jüngst von mir gepflanzte Weiden, Die ausgehauenen Alleen, Die ich erst kürzlich, voller Freuden, Vollführt, soll ich noch ferner sehen.
Ich werde, was ich schon vollbracht, Zum Schmuck und Nutz des ganzen Landes, Auch zu Befestigung des Strandes, Und was ich noch zu machen dacht’,
Zur Besserung von Weg’ und Auen, Mit GOttes Hülfe, öfters schauen. Es kommt der angefangne Bau Am Schloß, den ich bald fertig schau,
Woran ich viele Mühe wende, Gott Lob! in keines Feindes Hände. Gehoffter Vortheil künft’ger Jahre, Du bleibst und bist noch nicht dahin.
Mich deucht, daß ich nunmehr erfahre, Daß ich aufs neu gesegnet bin. Es bleibt mein Hoffen und mein Wille, Fern von der Welt, in Einsamkeit,
Und einer Gott- ergebnen Stille, Hier einen Theil von meiner Zeit, In ruhiger Vergessenheit, Von Neid und Scheelsuchts-Gift befreyt,
Gelassen, ferner zuzubringen, Und Gottes Wunder zu besingen. So denk’ ich itzt, voll Trost und Freude, Und spreche, voller Dank-Begier,
Nach überstandnem Gram und Leide: Mein Schöpfer! Dir sey Dank dafür! Es hat Dir nicht gefehlt an Macht, Mir, was Du mir geschenkt, zu lassen.
Ach, laß mich, dieses wohl zu fassen, Und zu behalten, seyn bedacht! Und da wir nichts, als danken, können, O grosser GOtt! so dank’ ich Dir
Für Dein Beschirmen, das Du mir So wunderthätig wollen gönnen. Ach laß, was mir kann schädlich seyn, Sich künftig gleichfalls von mir trennen,
Damit ich könne ferner Dein, Wie itzt gesegnet, Kind mich nennen! Doch es gescheh’ Dein Will’ allein! Dieß waren zu derselben Zeit die Sorgen- und die Trost-
Gedanken, Wovon ich itzt, GOtt Lob! die letzten, mit Freuden, wieder- holen kann. Ach schau, HErr! künftig meinen Stand mit Gnaden-Augen
ferner an, Und laß von meiner Zuversicht, zu Deiner Macht, mich nim- mer wanken!
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