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1680–1747

Gedancken bey einer Mond-Finsterniß.

Barthold Heinrich Brockes

Da ich den Mond verfinstert seh', Verspühr ich, daß, in meinem Hertzen, Aus seiner Finsterniß ein Licht entsteh’ Das keine falbe Schatten schwärtzen.

Sie zeigt mir überzeuglich klar Die Weißheit Göttlicher Regierung, Und macht zugleich mir offenbahr Die Richtigkeiten seiner Führung;

Da nicht nur, um kein eintzigs Haar, Die Lichter, die viel tausend Jahr, In ungestörter Ordnung, gehn, Sich aus den festen Angeln drehn;

Auch daß der Schöpfer uns so gar, Solch eine Fähigkeit geschencket, So viele Jahr vorher zu sehn, Wie alles sich so richtig lencket.

HeRR! laß uns des Verstandes Gaben, Das Pfund, das du in uns gesenckt, Gebrauchen und es nicht vergraben! Laß uns, so oft wir, wie so schön

Das Monden-Licht uns scheinet, sehn, Mit allen Kräften des Gesichts Zu ihm; von ihm zur Sonnen steigen, Zur wahren Quelle seines Lichts;

Da denn der Seele sich wird zeigen, Daß man, mit Recht, die Sonne selbst wird können Des Schöpfers Mond, ja seinen Schatten, nennen.

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