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1680–1747

Frühlings-Betrachtung.

Barthold Heinrich Brockes

Lieber Mensch, schau, wie im Lentzen Alle Dinge herrlich gläntzen! Von der Crcaturen Pracht Wird man itzt recht angelacht.

Schau, wie alles sich erfreuet! Schau, wie alles sich erneuet! Alle Wercke der Natur Aendern Farben und Figur.

Schau die Luft, wie rein, wie klar! Schau, wie jüngst noch welcke Felder, Schau, wie jüngst noch dürre Wälder, Höh’n und Tiefen unsrer Erden

Grün, und schnell belaubet werden! Was noch gestern sumpfig war, Wiesen, welche gantz verschlemmet, Ueberspület, überschwemmet,

(da die Wasser itzt verseigen) Scheinen aus der Fluth zu steigen, Und in einen grünen Sammt, Drauf ein Gold von Blumen flammt,

Eingekleidet, sich zu zeigen. Tieff’ und unwegbare Wege, Schlüpfrich- schwartz- und weiche Stege Sind jetzt brauchbar, weiß und hart.

Alles gläntzet, alles glühet, Alles funckelt, alles blühet, Durch der Sonnen Gegenwart.

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