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1680–1747

Frühling.

Barthold Heinrich Brockes

Die gantze Luft war angefüllet Mit einer reinen Heiterkeit, Ein junges Laub hatt’ allbereit Der Vögel Nesterchen verhüllet

Die, da sie, mit so vieler Kunst, Die süsse Arbeit fertig hatten, In dem begrünt- und zarten Schatten Voll reger Trieb’ und süsser Brunst

Verliebet, und geliebt sich gatten, Und nichts, vor lauter Lieb’, als Liebe! Liebe! singen, Daß Feld und Wald davon erklingen. Wir sehen überall ein würckliches Bewegen,

Ein Leben der Natur wird überall verspührt. Ach, möchte dieß, wenn uns die holde Schönheit rührt, Ein neues Leben auch in uns erregen! Es lächelt gleichsam uns die gütige Natur

Mit holden Blicken hier, aus jedem Vorwurf, an, So daß man alle Pracht und Lieblichkeiten nur Empfinden, nicht beschreiben, kann. Ach mögte GOtt in uns, da alle Ding’ im Lentzen

So lieblich und so wunderschön In tausendfacher Anmuth gläntzen, Auch unsrer Seele Frühling sehn; Und in demselbigen, an unsern sanften Freuden,

Die in ihr, blos aus seinem Werck, entstehn, Mit Lob und Danck geschmückt, sein Vater Auge weiden!

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