Der Knospen Frühling war annoch: Man sah fast sichtbarlich, wie bey dem lauen Wetter, Das grüne Heer der jungen Blätter Aus ihren röthlichen Behältern kroch.
Sie hingen erst annoch verwickelt unter sich; Entwickelten sich aber nach und nach, Und fingen allgemach, An allen Seiten,
Sich auszudehnen, auszubreiten, Sich auszuspannen an, und sanft sich zu erhöhn. Der allerdünnste Tafft, ist nicht so sanft, so schön, So klar, so glatt, so gläntzend, zart und fein,
Als neu-gebohrne Blätter seyn. Die Aederchen sind selbst durchsichtig, noch vielmehr Das noch viel zärtere Gespinnst. Das Sonnen-Licht, So ungehemmt fast, durch sie bricht,
Und durch ihr zart Gewebe strahlet; Wird, recht als fiel es durch ein grünes Glas, Auch grün gemahlet. Hiedurch entstehen klare Schatten,
Die Wald und Garten, Lufft und Matten Fast unaussprechlich lieblich füllen, Sie zeigen manchen Schmuck, auch wann sie ihn verhüllen. In diesem Spiel unschuldger Lieblichkeit,
Womit sich gleichsam noch des Jahres Kindheit schmückte, Wie in der güldnen Zeit, War, was man nur erblickte, Unschädlich, Anmuth-voll, Lust- und Vergnügen-reich.
Die Spinne, deren Leib fast einer offnen Klauen Und Bären-Tatzen gleich, Erweckt uns noch kein eckelhaftes Grauen, Kein Ohr-Wurm schreckt uns noch.
Die Bienen, welche zwar nie sonder Stachel fliegen, Erregen durch ihr sumsendes Gethön, Mit welchem wir sie schwärmen sehn, Wenn sie auf Bluhmen sich, blos uns zum Nutzen, setzen,
Mit Recht uns keine Furcht, nur Anmuth und Ergetzen, Und, durch den muntern Fleiß, ein inniges Vergnügen. Der Blut-begiergen Mücke Verdrießlicher Gesang, stöhrt unsre Ruh noch nicht.
Man schlägt, geneckt durch ihre dreiste Tücke, Des Nachts, mit Recht erzürnt, sich noch nicht ins Gesicht, Voll Schlaf und Ungeduld; die unverschämten Fliegen Bestürmen unsern Tisch noch nicht so Hauffen-weise,
Wie wol im Herbst geschicht. Kein schädlich gifftig Thier Thut sich annoch herfür. Und kurtz: in allen dem, was man erblickt’, empfand
Und spührte, spührte man nichts wiedrigs, und es schienen Die Vorwürff alle zugericht, Uns zu ergetzen, uns zu dienen. Absonderlich belebt der Sonnen Lebens-Licht,
Erfüllt, durchdringt, Lufft, Wasser, Berg und Thal Mit dem sich nähernden erwünschten Strahl. Eine reine Klarheit glimmet In der Lufft voll Glantz und Gluth.
Eine reine Klarheit schwimmet Auf der rein- und glatten Fluth. Auf dem frischen Grase glühet Ein Smaragden gleiches Licht,
Wann mit fröhlichem Gesicht Man auf iedem Baum, der blühet, Einen weissen Schimmer siehet. Mögt es denn auch meiner Seelen,
Wann sie diese Wunder spührt, Durch so holden Glantz gerührt, Auch am Schmuck und Glantz nicht sehlen! Mögte sie in allen Dingen
GoTT, aus welchem sie entspringen, Jmmer mehr und mehr erkennen, Und, durch Danck-Begier geziert, Stets im Feur der Liebe brennen!
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